Warum der englische Fußballverband Streit mit der FIFA hat

Energydrinks und Affengeräusche

Ein Spieler trinkt eine Dose Red Bull bei der U20-WM. Das kostet die englische FA 18.000 Euro. Denn der offizielle Energydrink der FIFA heißt Powerade. Zum Aufpreis von 7.000 Euro wären Affengeräusche inklusive gewesen.

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Nicht jeder Fußballspieler kann frei entscheiden, welche Klamotten er wann und vor allem wo anzieht. So viel ist inzwischen hinlänglich bekannt. Spätestens seitdem Mario Götze bei seiner Vorstellung in München breit grinsend mit Nike-Logo auf der Brust auflief und so die Adidas-Oberen mächtig verärgerte.

Neu ist, dass es nun anscheinend auch Getränke gibt, deren Konsum je nach Aufenthaltsort wohlüberlegt sein muss. Diese Erfahrung musste der englische Fußballverband machen, nachdem ein Spieler bei der U20-Weltmeisterschaft in Südkorea mit einem »verbotenen« Energydrink in der Hand erwischt wurde.

Die Prioritäten der FIFA

Weil der offizielle Energydrink der FIFA Powerade heißt, der junge Engländer aber im Bereich der Trainerbank Red Bull getrunken haben soll, hat die FIFA den englischen Verband zu einer Strafzahlung von etwas mehr als 18.000 Euro verdonnert. Das Urteil fiel bereits unmittelbar im Anschluss an das Turnier im vergangenen Sommer, sorgt nun jedoch für neuen Unmut.

Denn auch die Russen bekamen von der FIFA im Mai eine Geldstrafe aufgebrummt, die mit einer Gesamtsumme von 25.000 Euro allerdings etwas höher ausfiel. Der Tatbestand: Russische Anhänger hatten Spieler wie Paul Pogba und N’Golo Kanté bei einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich fortlaufend mit Affengeräuschen bedacht.

Mit braunen Papiertüten zur WM

Offensichtlich wiegt die (wiederholte) rassistische Verunglimpfung von Spielern nur marginal schwerer als das Mitführen der falschen Getränkedose zu einem Jugendturnier. Gegen diese zweifelhafte Urteilsfindung will der Vorsitzende des englischen Fußballverbands, Greg Clarke, nun Beschwerde einlegen.

Immerhin hat sich die FIFA in ihren Statuten gleich als dritten Punkt eine »Null-Toleranz-Politik gegenüber Diskriminierung« auf die Fahne geschrieben. Wenige Tage vor WM-Start wirkt dieser auf dem Papier ehrenwerte Vorsatz wie ein werbewirksames Lippenbekenntnis.

Während Fans sich rassistisch auslassen können und der verantwortliche Verband dabei nicht mehr zu befürchten hat als einen symbolischen Klaps auf die Finger, sollten die Spieler sich besser überlegen, ob sie ihre Getränke zukünftig nicht lieber nach amerikanischem Vorbild in braune Papiertüten stecken. Denn bei belanglosem Unsinn, der bei jedem klardenkenden Menschen nur Kopfschütteln auslöst, versteht die FIFA bekanntlich keinen Spaß.