Warum der Dortmunder Umbruch wichtig war

Willkommen in der Zukunft!

Der BVB ist auch deshalb die Mannschaft der Stunde, weil er fast unbemerkt einen ebenso raschen wie radikalen Umbau vorgenommen hat.

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Frage eins: Wenn der Titelverteidiger zur Pause vor eigenem Publikum mit 0:2 in Rückstand liegt, welchen Wechsel nimmt er dann vor? Antwort: Franck Ribéry kommt für Arjen Robben.

Frage zwei: Wenn der Tabellenführer vor eigenem Publikum mit 0:1 in Rückstand liegt, welchen Wechsel nimmt er dann vor? Antwort: Paco Alcacer kommt für Maximilian Philipp.

Besser lässt sich kaum illustrieren, dass der FC Bayern gegenwärtig das Bild eines Klubs abgibt, der stark in der Vergangenheit lebt, während sein alter Rivale Borussia Dortmund an der Zukunft bastelt. Es ist mittlerweile fünf Jahren her, dass die zwei Vereine im Finale um die Champions League standen. In München zählen noch immer neun Spieler zu den Stammkräften, die in jenem Spiel auf dem Rasen waren. (Zwei von ihnen – Mats Hummels und Robert Lewandowski – trugen damals Schwarz-Gelb.) Beim BVB sind es nur drei.

Notwendiger Umbau 

Vielleicht lässt sich das auf den Gegensatz zwischen bayerischer Sentimentalität und westfälischem Pragmatismus zurückführen. Es ist für keine Vereinsführung leicht, verdiente Spieler zu verabschieden – und für den stets äußerst loyalen Uli Hoeneß erst recht nicht. In Dortmund hat man es hingegen erstaunlich geräuschlos (wenn auch nicht immer schmerzfrei) geschafft, Helden wie Kevin Großkreutz, Kuba oder Nuri Sahin zum Bahnhof zu geleiten und in den Zug zu setzen.

Vor allem hat es aber natürlich damit zu tun, dass der BVB gezwungen war, sein Team in den letzten fünf Jahren mehrfach umzubauen. Zuerst aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn einem Jahr für Jahr die besten Spieler weggekauft werden, dann befindet sich der Kader logischerweise in einem steten Fluß. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund.      

In nur etwas mehr als einem Jahr hat es die Borussia geschafft, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit die Mehrzahl der Personen abzugeben oder aufs Altenteil zu schicken, die am 11. April 2017 im Mannschaftsbus saßen. Marc Bartra, Sokratis, Sven Bender, Matthias Ginter, Gonzalo Castro, Ousmane Dembelé, Pierre-Emerick Aubameyang, Nuri Sahin, Roman Weidenfeller, Mikel Merino, Emre Mor, Felix Passlack und natürlich Thomas Tuchel sowie sein Trainerteam – sie alle sind nicht mehr für Dortmund aktiv.