Warum der 1. FC Köln die richtige Entscheidung getroffen hat

Viele Tore, keine Entwicklung

Obwohl Köln drei Spieltage vor Schluss als Tabellenführer unmittelbar vor der Rückkehr ins Oberhaus steht, hat sich der Klub von Trainer Markus Anfang getrennt. Ein neuerlicher Anflug der Kölner Selbstüberschätzung? Im Gegenteil. 

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Markus Anfang und der 1. FC Köln? Es klang zunächst nach Märchen, nach Liebe auf den ersten Blick, nach der perfekten Liaison. Auf der einen Seite »Ne kölsche Jung«, der nach großen Erfolgen in seine Heimat zurückgekehrt war, um mit seiner offensiven Spielweise wieder Begeisterung in der Domstadt zu entfachen. Auf der anderen Seite ein Klub, der sich nach dem wohl bittersten Absturz der Vereinsgeschichte nach einem Neuanfang sehnte. Doch einer Liebesbeziehung glich das Verhältnis zwischen Markus Anfang und dem 1. FC Köln in der Realität nie. Eher einer Zweckehe.

Der 44-Jährige brachte aus Kiel zwar eine offensive Spielidee mit nach Köln. Und gemessen an den Ergebnissen verlief die Saison auch durchaus erfolgreich. Am Ende aber eben nicht erfolgreich genug. Weshalb es hinter den Kulissen zu brodeln bekann, vor allem zwischen dem Trainerteam und der Mannschaft. Anfang verlor zunehmend die Gefolgschaft seiner Spieler. Und der Effzeh verlor zu viele Spiele. Bis die Verantwortlichen die Notbremse zogen.

Viele Tore, aber keine Balance

Tragisch, aber folgerichtig. Denn schon früh in der Saison wurde Anfang perspektivisch nicht mehr zugetraut, die Mannschaft in der Bundesliga zum Erfolg führen zu können. Im Schnitt verloren die Geißböcke jede vierte Partie. Gegen Darmstadt kassierten die Kölner bereits die achte Niederlage der Saison. Dazu setzte es 41 Gegentore. Keine Konstanz. Keine Sicherheit. Und keine Weiterentwicklung. Über die fehlende Stabilität konnte letztlich auch das so treffsichere Sturm-Trio um Simon Terodde, Jhon Cordoba und Anthony Modeste nicht mehr hinwegtäuschen.

Tatsächlich zeigten die Kölner zwar phasenweise berauschenden Offensiv-Fußball, etwa beim 8:1 gegen Dynamo Dresden oder dem 4:0 gegen den FC St. Pauli. Doch zu selten überzeugte die Mannschaft über 90 Minuten. Geschweige denn über mehrere Spiele. Auf dem Papier spielte der Effzeh lange eine erfolgreiche Saison. Auf dem Platz jedoch nicht. Einzig die individuelle Klasse von Einzelkönnern sowie die schwache Konkurrenz ließen die Fehlentwicklung in der Mannschaft lange unentdeckt. Dominick Drexler legte das zerrüttete Innenleben der Mannschaft jedoch offen. »Das machen die Stars«. Mit diesen Worten überließ es der Mittelfeldspieler seinen Mannschaftskollegen, nach der peinlichen 0:3-Pleite in Dresden mit der Presse zu sprechen.