Warum den Eintracht-Fans das nächste Geisterspiel im Ausland droht

Nächstes Heimspiel im Ausland

Nachdem französische Ultras beim Europa-League-Finale gegen Atlético Madrid (0:3) im Stadion in Lyon trotz Bewährungsauflagen randalierten, verhängte die UEFA ein Geisterspiel. Leidtragende Dritte: Die SGE-Fans, die eines Europapokalabenteuers beraubt wurden. »Das möchte man nicht noch einmal haben«, beteuert Susanne Leister-Schmidt vom Frankfurter Fanzine »Fan geht vor«.

Allerdings ist sie skeptisch, ob sich wirklich alle Frankfurter Fans in Charkiw an die UEFA-Auflagen halten werden: »Eintracht ohne Fackeln, das funktioniert nicht.« Ob eine Pyro-Show, wie es sie bisher in jedem Europa-League-Spiel der Adler zu sehen gab, ausreicht, um den Bogen zu überspannen?

Letzte Chance für die Eintracht?

Der 1. FC Köln war bei seiner Europatour 2017 in einer ganz ähnlichen Situation. Im Anschluss an die Partie bei Arsenal London verurteilte die UEFA den »Effzeh« zu einem Auswärts-Geisterspiel auf Bewährung. Beim letzten Gruppenspiel in Belgrad zündete der Kölner Anhang Pyrotechnik, was die UEFA als erneutes Fehlverhalten wertete und die Fans von der nächsten europäischen Reise ausschloss. Allerdings wurde das Urteil auf Berufung des Vereins hin zu einer reinen Geldstrafe gemindert.

Ob die Eintracht erneut belangt wird, liegt also sowohl am Verhalten der Fans als auch an der Einschätzung der UEFA. Auf Seiten des Vereins möchte man eine erneute Verhandlung nach Möglichkeit vermeiden: Vorstandsmitglied Axel Hellmann sprach von einer »letzten Chance«, die die SGE bekomme. Dass es sich lohnt, diese zu nutzen, selbst wenn die Eintracht gegen Donetsk ausscheiden sollte, zeigt ein Blick auf die Bundesligatabelle. Der Pokalsieger nimmt Kurs auf die Qualifikation für das europäische Geschäft in der nächsten Saison. Eine mögliche Strafe wäre auch dann noch gültig.

Heimspiel in Charkiw

Dass es bereits gestern Abend in der Innenstadt von Kiew schon zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Frankfurtern und Hooligans von Dynamo Kiew kam, verheißt nichts Gutes. In Charkiw ist die Situation hoffentlich eine andere: Einschätzungen aus der Fanszene nach zu urteilen erwartet das Metalist-Stadion heute Abend eine ähnliche Aktion wie beim Auswärtsspiel gegen Apollon Limassol. Das hieße: Es wird wohl einzelne Pyrofackeln geben, aber vor allem eins: gute Stimmung.

Wenn heute um 22:00 Uhr Ortszeit das Spiel zwischen Adi Hütters Truppe und den spielstarken Brasilianern aus Donetsk beginnt, werden die rund 3000 Frankfurter Fans mit Sicherheit lautstärketechnisch überlegen sein. Denn auch die Fans des ukrainischen Bergarbeiterclubs müssen sich im Prinzip auf den Weg zu einem Auswärtsspiel machen, da die politische Situation in der Ostukraine eine Austragung des Spiels in Donetsk nicht gestattet. So werden sich nur einige hundert Treue auf dem Weg ins 300 Kilometer entfernte Charkiw machen.

Daher steht für Susanne Leister-Schmidt fest: »Das wird wieder ein Heimspiel sein. Wir werden uns wieder feiern.« Stellt sich nur noch die Frage, wie viel Feierei die UEFA sehen möchte.