Warum das Verhalten des HSV unerträglich ist

Reißt euch zusammen

Der Hamburger SV scheint sich aufgegeben zu haben. Aber warum eigentlich? Noch sind acht Spiele zu spielen. 

imago

Von all den frustrierenden Dingen, die aktuell zum Leben eines HSV-Fans dazugehören, ist die Lektüre der Presse ganz besonders frustrierend. Die »Bild« schreibt völlig ungeniert von »HSV-Luschen«, die »MoPo« schlägt munter auf die »Absteiger« drauf, der »kicker« bringt die Situation nüchtern aber nicht weniger schmerzhaft auf den Punkt. Mit Blick auf die anscheinend bevorstehende Ablösung Bernd Hollerbachs durch U21-Trainer Christian Titz schreibt das Fachblatt: »Gefallen ist (die Entscheidung) intern bereits darüber, dass angesichts von sieben Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz kein vermeintlicher neuer Retter mehr präsentiert wird.«

Hamburg, so scheint es, hat sich aufgegeben. Nur noch diese acht Spiele halbwegs würdevoll über die Bühne bringen, das Chaos im Umfeld nicht zu groß werden lassen, die Fans irgendwie im Zaum halten, allzu große Kollateralschäden vermeiden, um dann in der Zweiten Liga sauber den Neustart zu schaffen. Mitte März wird der Dino bereits abgewickelt.

Und das ist ein großer Fehler. 

Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt sieben Punkte, was natürlich sehr viel ist. Aber es sind auch noch acht Spiele zu spielen, 24 Punkte zu vergeben. Angesichts der wirklich unterirdischen Leistungen des FSV Mainz und des VfL Wolfsburg, die punktgleich auf Patz 15 und 16 liegen, dürfte man sich beim HSV durchaus ein bisschen kämpferischer zeigen, anstatt acht Wochen vor Saisonende die Segel zu streichen. Bernd Hollerbachs Demission ist nach nur drei Punkten in sieben Spielen absolut logisch. Auch dass man jetzt eher nicht vollmundig den nächsten Retter präsentiert. Aber jetzt schon in eine Übergangsphase gehen und sich dem scheinbar unausweichlichen Schicksal ergeben? 

Der HSV ist seit Anbeginn der Bundesliga dabei, man müsste bei den Hanseaten also eigentlich wissen, dass die Geschichte der Bundesliga auch eine Geschichte der Aufholjagden ist. Allein in den letzten Jahren schafften es Borussia Mönchengladbach (2011), der FC Augsburg (2013) und Eintracht Frankfurt (2016), sich aus scheinbar ausweglosen Situationen zu befreien. Man muss allerdings etwas dafür tun. Sich nicht aufgeben, zum Beispiel. Denn vielleicht hat das den Verantwortlichen des HSV ja niemand gesagt, aber: Einen Neuanfang kann man auch in der Bundesliga starten.