Warum das Stadtverbot für Eintracht-Fans ein Skandal ist

Fußballfans sind keine Verbrecher

Die Präfektur Marseille hat ein Stadtverbot für Eintracht-Fans ausgesprochen. Das ist ein handfester Skandal. 

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Vor einiger Zeit hatten wir eine Fotoserie über polnische Auswärtsfans im Magazin. In Polen weht ein rauerer Wind, sowohl was Fanausschreitungen als auch deren Entgegentreten angeht. Im Zuge dessen werden Fußballfans oft mit Verbrechern gleichgesetzt, einige Vereine der unteren Ligen gehen so weit, dass sie in ihren Gästekurven Käfige montiert haben, in die die Auswärtsfans während des Spiels gesperrt werden. Bizarre, traurige Bilder waren das, schließlich sind Auswärtsfahrten doch für jeden Fußballfan eigentlich ein Highlight.

Zumal dann, wenn der betreffende Verein eine große aktive Fanszene hat, etwa so wie Eintracht Frankfurt, die seit fünf Jahren mal wieder in der Europa League spielen. Für die Fans der SGE kommt jedes Europacup-Spiel, vor allem jene auswärts, einem Feiertag gleich. Dass ausgerechnet das Auftaktspiel beim wahrscheinlich attraktivsten Gruppengegner wegen Verfehlungen der OM-Fans unter Ausschluss der Zuschauer stattfinden muss, ist für die Fans aus Frankfurt also ohnehin schon ein Desaster. 

Fußballfans, nicht Terroristen, Neonazis oder Rockergangs

Als wäre das aber nicht genug, hat nun die Präfektur Marseille zusätzlich ein Aufenthaltsverbot für Frankfurt-Fans verhängt. Auch ohne die Aussicht auf Tickets wären wohl einige Anhänger aus Hessen mit nach Frankreich gefahren, um ihre Mannschaft zumindest symbolisch zu unterstützen. Das dürfte nun passé sein. Im Erlass der Präfektur heißt es wörtlich: »Am Donnerstag, 20. September 2018, ist es in der Zeit von 08:00 Uhr bis Mitternacht jedem untersagt, der sich darauf beruft, Fan von Eintracht Frankfurt zu sein bzw. sich als solcher durch sein Verhalten zu erkennen gibt, sich in der Öffentlichkeit auf dem Stadtgebiet der Gemeinde Marseille aufzuhalten.« Das ist nich weniger als ein handfester Skandal. 

Französische Amtsbezirke haben zwar das Recht, Aufenthaltsverbote für bestimmte Gruppen auszusprechen, wenn sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit sehen. Hier werden Fußballfans allerdings wie Schwerverbrecher behandelt und kollektiv vorverurteilt. Laut Behörden drohen sogar Gefängnisstrafen, sollten sich Anhänger dem Verbot widersetzen. Zur Erinnerung: Wir reden hier von Fußballfans, nicht von Terroristen, Neonazis oder Rockergangs, die in der französische Hafenstadt Angst und Schrecken verbreiten wollen.

»Dringender Handlungsbedarf bei der UEFA«

Verständlicherweise reagierten die Eintracht-Verantwortlichen erschüttert: »Ein komplettes Stadtbetretungsverbot für unsere Anhänger zu erlassen, stellt einen völlig unangemessenen und rechtsstaatlich hochgradig bedenklichen, wenn nicht unzulässigen Eingriff in die Rechte eines jeden einzelnen dar«, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann in einer offiziellen Stellungnahme des Vereins. Es bestünde »dringender Handlungsbedarf bei der UEFA hinsichtlich der Anwendungspraxis von Kollektivstrafen«, so Hellmann weiter. 

Handlungsbedarf besteht bei der Uefa ja quasi traditionell an allen Ecken und Enden. Trotzdem muss man darauf hoffen, dass der Verband Hellmanns Worte wahrnimmt. Denn wenn es Schule macht, dass man unliebsame Fans einfach aus der Stadt aussperren kann, ist der Käfig im Auswärtsblock nur noch wenige Schritte entfernt.