Warum das iranische Fernsehen Bibiana Steinhaus zensiert

Wie iranische Frauen das Stadionverbot umgehen

Während von Ali Khamenei, politisches und religiöses Oberhaupt des Landes, kein gedanklicher Quantensprung ins 21. Jahrhundert mehr zu erwarten ist, lösen sich insbesondere die jungen Iraner zunehmend von den Ansichten ihrer erzkonservativen Entscheidungsträger.

»In keinem anderen Land ist die weltanschauliche Entfremdung zwischen Regierenden und Normalbürgern größer als im Iran», erklärt Alex Vatanka vom Thinktank »Middle East Institute«. Sein Vater war iranischer Nationalspieler vor der Revolution von 1979. Beim Heimspiel von Persepolis gegen Sepidrood Rasht wurde die Entfremdung besonders deutlich.

Frauen mit Bart

Sechs weibliche Fußballfans hatten sich fälsche Bärte angeklebt und als Männer verkleidet ins Stadion geschlichen. Ihr erfolgreiches Täuschungsmanöver dokumentierten die Frauen anschließend in den sozialen Medien und wurden von der überwältigenden Mehrheit für ihren Mut gefeiert. Denn es braucht Mut, um sich gegen die Linie der Landesväter aufzulehnen.

Erst im März waren laut BBC 35 iranische Frauen von der Polizei festgesetzt worden, die versucht hatten, Einlass zu einem Spiel zu erhalten, das auch von FIFA-Präsident Gianni Infantino besucht wurde.

Steinhaus zur WM

Hoffentlich haben sie nicht auf seine Unterstützung gehofft. Denn der Mann, der für die FIFA von Russland bis Katar fleißig Hände schüttelt, ist nicht gerade für politische Einmischung bekannt. Angesprochen auf den andauernden Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien antwortete der 48-jährige Blatter-Nachfolger: »Für mich ist klar, dass Politik nichts im Fußball zu suchen hat und Fußball nichts in der Politik.«

Während die Frauen im Iran also weiterhin gegen gesetzliche Diskriminierung ankämpfen müssen, ist für das iranische Fernsehen das Schlimmste vorerst überstanden. Bibiana Steinhaus gehört nämlich nicht zum Schiedsrichter-Aufgebot der WM 2018. Schade eigentlich, hätten wir doch gerne gesehen, wie sie die Gruppenspiele des Iran pfeift.