Warum das Gemecker aufhören muss

Was bitte ist »schöner« Fußball?

Fußball, das ist »Wir gegen die«. Der letzte große Schleusenöffner, bei dem wir Wochenende für Wochenende hinter uns lassen, raus lassen, was wir unter der Woche einfach immer nur runterschlucken. Den Groll auf der Arbeit, den beschissenen Kontostand, den dämlichen Nachbarn. Und anstatt immer nur mit der Gleitsichtbrille aus dem Drogerie-Discounter auf das große Ganze zu schauen, sollten wir uns wieder darauf besinnen, genauer hinzuschauen. Zumal es dafür nicht mal eine Lupe braucht.

Wir sollten wieder anfangen, »unsere« Mannschaften zu feiern. Dafür, dass sie gegen den Erzrivalen gewonnen hat. Dafür, dass sie gegen den haushohen Favoriten zumindest in diesem einen Spiel nicht klein beigegeben hat. Wir sollten wieder anfangen, uns all die Geschichte zu erzählen, die von unserer Leidenschaft handeln.

Es gibt noch immer genug gute Stories

Auch wenn sie, hallo Hamburg, die Hoffnungen strapazieren und oft genug Enttäuschung sind. Denn am Ende ist es für das große Ganze gar nicht so wichtig, wer von den wenigen Favoriten die Meisterschaft für sich deklarieren kann. Sondern vielmehr, welche Geschichten wir erlebt haben, welche Geschichten wir einander erzählen können.

Und es gibt sie immer noch reichlich, die guten Stories, die im Moment ihres Entstehens manches Mal einfach nur weh tun. Wir müssen ihnen nur nachspüren und Freude daran haben, sie zu teilen.

Was bitte ist »schöner« Fußball?

So ist es zum Beispiel ein grober Fehler, sich in arroganter Haltung über die Spielweise kleinerer Mannschaften auszulassen. Bestes Beispiel: Die Partie des FC Ingolstadt bei Borussia Dortmund vor gut zwei Wochen. Mit 1:0 siegte der BVB; es hätte ganz anders kommen können.

Doch anstatt die Leistung der »Schanzer« hervorzuheben, war im Nachgang nur von deren vermeintlich destruktivem, hässlichem Spiel die Rede. Und davon, dass die Dortmunder schlecht gewesen wären. Was für eine arrogante, indifferente Haltung. 

Denn was bitte ist »schöner« Fußball? Und warum sehen wir nicht, dass es darauf überhaupt keine Antwort geben kann. Schönheit liegt nicht nur beim Fußball im Auge des Betrachters. Eine gute Curry-Wurst macht im richtigen Moment, unter den richtigen Umständen, mindestens genauso glücklich wie das Sieben-Gänge-Menü eines Sternekochs. Und wer würde sich ernsthaft anmaßen, die Curry-Wurst-Bude mit denselben Maßstäben zu bewerten, die er an das Nobelrestaurant anlegt?