Warum das DFB-Quartier in Watutinki liegt

Watutinki, das alte Geheimdienstdorf

Watutinki hat auch schöne Ecken. Der Überlieferung nach ist der Name des Ortes von »Wot tut w tjenke« abgeleitet, auf Deutsch »Hier im Schatten«. Zarin Katharina die Große soll mit diesen Worten nach langer Reise unter brennender Sonne eine Rast unter einem Baum befohlen haben. Watutinki ist grün, der Fluss Desna fließt durch den Ort. Aber davon werden die Nationalspieler vermutlich nicht viel sehen. Von ihrer Unterkunft am Ortsrand führt ein zweispuriger Zubringer direkt zur Autobahn, vorbei an Blocks mit mehrstöckigen Wohnhäusern auf der einen Seite und Garagen auf der anderen. Das ist der entscheidende Vorzug, den Watutinki für den DFB besitzt.

Der Ort liegt rund 40 Kilometer südöstlich des Moskauer Stadtzentrums und gehört zu Neu-Moskau, dem jüngsten der zwölf Verwaltungsbezirke der russischen Hauptstadt. Er wurde erst 2012 geschaffen und liegt jenseits der ursprünglichen Stadtgrenze. Man muss sich das so vorstellen, als würde der Landkreis Potsdam-Mittelmark nach Berlin eingemeindet. Mit dem Zentrum Moskaus ist Watutinki über zwei Hauptverkehrsstraßen, die Profsojusnaja Ulitsa und den Leninskij Prospekt, verbunden. Morgens stauen sich die Autos auf den drei Spuren stadteinwärts und abends auf den drei Spuren stadtauswärts.

Fünf Kilometer bis zum Essen

In Watutinki haben die russische Armee und der Militärgeheimdienst noch heute Stützpunkte. Als eine der raren Attraktionen gilt der Siegespark, in dem an erfolgreiche Schlachten erinnert wird. Viele der 25 000 Einwohner sind Soldaten oder Militärangehörige, nach Feierabend sieht man sie mit ihren Familien durch den Ort spazieren. Die Kinder grüßen auch Fremde freundlich, was für echte Moskauer einem Kulturschock gleichkommt.

Überall wird gebaut. Moskau boomt, die Menschen brauchen Wohnraum. Straßen werden saniert, Grünflächen angelegt und die letzten Laternen vor dem Quartier der deutschen Mannschaft aufgestellt. Watutinki ist eine typische russische Kleinstadt, allerdings auffallend gut gepflegt. Im Zentrum sieht man überwiegend sogenannte Ziegel-Chruschtschowki, renovierte, fünfstöckige Wohnblocks, die nach dem ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow benannt sind. Es gibt ein Sport- und Kulturzentrum mit einer kleinen Bibliothek. Eine junge Frau erzählt, dass dank der Eingliederung in die Stadt Moskau der Lebensstandard in Watutinki gestiegen sei. Auf die Frage aber, wo man etwas essen könne, antwortet sie: in Troitsk. Das ist die nächstgrößere Stadt, fünf Kilometer entfernt.