Warum das Aus von Leroy Sané so schade ist

Das uneingelöste Versprechen

Leroy Sané hatte das Potential, einer der Überraschungsstars der WM zu werden. Dass Joachim Löw ihn nicht mitnimmt, ist vor allem für die Fans eine Tragödie.

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Zugegeben, auch ohne Leroy Sané ist der Deutsche WM-Kader gespickt mit Spielern, die den Unterschied ausmachen können. Marco Reus, Mesut Özil, Thomas Müller – sie alle haben die Fähigkeiten, Spiele zu entscheiden und aller Vorraussicht nach wird der ein oder andere das bei der Weltmeisterschaft auch tun. Niemand muss sich Sorgen machen, dass Deutschland ohne Sané bei der WM eine Bruchlandung erleidet. 

Trotzdem ist die Entscheidung, den 22-Jährigen nicht mit zur WM zu nehmen, mehr als schade. Sané hat im Dress der Deutschen Nationalmannschaft selten überzeugen können, die Entscheidung von Löw ist also nachvollziehbar. In England aber, in einer überragenden Meisterschafts-Saison mit seinem Klub aus Manchester, war Sané Stammspieler und einer der Top-Scorer, mit zehn Toren und 15 Assists, und wurde zum besten jungen Spieler der Saison gewählt. 

Sanés Spiel ist spektakulär

Wer Sané in den letzten Jahren hat spielen sehen, der weiß um das überragende Potential des Ex-Schalkers, auch wenn er das in der Nationalmannschaft zu selten zeigt. Vor allem aber hat Sané etwas, was vielen seiner Konkurrenten abgeht, die nun mit zur WM fahren: Sanés Spiel ist spektakulär. Er ist pfeilschnell, technisch überragend und mitunter vogelwild. Damit ist er für das taktische Korsett eines Joachim Löw möglicherweise nicht optimal geeignet, eine gesunde Portion Chaos kann aber in bestimmten Momenten eines Spiels durchaus eine wichtige Qualität sein. 

Mit seiner Art zu spielen, mit seiner Unberechenbarkeit hätte Sané das Potential gehabt, einer der Überraschungstars der WM zu werden. Ein neuer Toto Schillaci oder Roger Milla, der die Fans von den Sitzen reißt, wenn sich das Turnier zu seinen Gunsten entwickelt. Sané war in gewisser Weise die große Unbekannte in Löws Kader, ein mögliches Versprechen auf spektakulären Fußball, das sich nun nicht einlösen wird. Niemand kann sicher sagen, dass Sanés Nationalmannschafts-Knoten in Russland geplatzt wäre. Allein: Die Fähigkeiten dazu hat er, und welchen besseren Rahmen als eine WM hätte es dafürgeben können. 

Löw erklärte die Personalie mit der Überbesetzung auf der linken offensiven Außenbahn, was plausibel ist. Vor allem aber ist es: schade. Denn auch wenn Sané möglicherweise noch zu unkonstant spielt, potentiell ist er der spannendste deutsche Spieler.