Warum Cristiano Ronaldo der ökonomischste Spieler der Welt ist

Kein Schritt zu viel

Cristiano Ronaldo hat sein viertes Turniertor geschossen. Und nicht nur das: Er hat den Fußball auch in einen Einzelsport verwandelt.

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Gute Nachrichten aus Moskau: Der zweitbeste Spieler der Welt hatte einen sehr schönen Arbeitstag. Erst gewann er die Seitenwahl und dann »Huch, den kenn ich doch«, begrüsst er noch eben Noureddine Amrabat bevor es losging. Er hätte ihn aber auch fast nicht erkannt mit diesem komischen Kopfschutz, denn fünf Tage vorher hatte sich der Marokkaner eine Gehirnerschütterung zugezogen. Dann ging es auch schon los, und Cristiano Ronaldo verlor erstmal krachend den Ball gegen Mehdi Benatia, der mal beim FC Bayern spielte. Dann war dreieinhalb Minuten nichts von ihm zu sehen.

Ecke, kurz gespielt, Flanke und Schmetterkopfball ins Tor. Und damit auch jeder wusste, dass er es war, wurde erstmal zur Eckfahne gelaufen und so gejubelt wie er das immer tut. Wäre ja noch schöner in so einer blöden Jubeltraube zu verschwinden, und auf die Jubelpose gibt es vermutlich eh schon ein Markenrecht. Fünf Minuten später schoss er nochmal aufs Tor, am langen Pfosten vorbei. Den Freistoß aus bester Lage, in früheren Zeiten mal »Zona Del Piero« genannt, hämmerte er nach einer halben Stunde in die Mauer. Kurz darauf schaufelte er Goncalo Guedes eine Topchance in den Laufweg.

Wie Portwein

Bevor wir uns weiteren Einzelszenen zuwenden, schalten wir die Spezialkamera mal kurz ab. Denn Ronaldo muss hier mal gelobt, gepriesen und gebenedeit werden. Denn vermutlich ist er inzwischen der ökonomischte Spieler der Welt. Jeder Schritt unterliegt einer genauen Kosten-Nutzen-Kalkulation. Das soll nun wirklich keine komplizierte Beschreibung des Umstands sein, dass er nur in der Gegend herumsteht. Nein, er macht aber eben nur noch das, was sich lohnen könnte. Viel Verschwendung war bei ihm nie, aber inzwischen ist er 33 Jahre alt und klar, topfit. Aber eben nicht mehr für so viele Spielsituationen wie früher. Warum also in einen Zweikampf gehen, den man vermutlich sowieso nicht gewinnen würde? Oder, wenn man ihn gewinnt, nur einen marginalen Vorteil bringt.

Oder: Warum alle Spiele machen? 44 waren es in dieser Saison von 62 möglichen. Auch sowas tut der Form gut. »Er ist wie Portwein und reift. Im Gegensatz zu anderen Spielern wird er immer besser«, sagte Portugals Trainer Fernando Santos nach dem Spiel. Irrer Funfact in diesem Zusammenhang: In der ersten Runde war kein Spieler schneller gesprintet als dieser Spieler auf der Zielgerade seiner Karriere. Als Portugals Coach musste Santos aber auch ein paar Streicheleinheiten an seinen Star verteilen, denn nach einer guten halben Stunde durfte der nicht mehr auf Links oder auch mal auf Rechts herumstolzieren. »Ronaldo spielte nicht in seiner besten Position«, gab der Coach zu. Er musste den Job des Mittelstürmers übernehmen. Ronaldo stellt sich damit in den Dienst der Mannschaft, was wörtlich zu nehmen ist. Er stellte sich vorne hin und wartete auf Bälle, die nicht kamen.

Immer weiter!

Da war das Spiel schon längst über Kampf zum Kampf gekommen. Ein wahnsinniges Gerenne, betrieben von den Marokkanern und ihrer Angst vor dem Ausscheiden. Manchmal wirkte Ronaldo wie der Imker bei der Besichtigung seines Bienenstocks so viel eifriges Hin und Her war um ihn herum. Einmal drosch er den Ball noch übers Tor und die Marokkaner riefen in Erinnerung an den besten Spieler der Welt: »Messi, Messi«. Was der kleine Argentinier aber nicht geschafft hat: den Fußball in einen Einzelsport zu verwandeln. Das ist gaga, aber hat auch seine eigene Schönheit. Und Zartheit, wenn Cristiano Ronaldo zu allen Eckbällen mit zurückkommt und sie sogar klärt. So, dann noch ein Freistoß, wieder in die Mauer gebolzt und leicht glücklich ist der Sieg ins Ziel gebracht.

Dann kam er noch, um als »Spieler des Spiels« - eine Auszeichnung, die von einer Leichtbier-Brauerei aus Amerika vergeben wird - einige CR7-Sätze zu sagen. »Ich bin sehr glücklich, der Sieg war das wichtigste. Sie waren sehr stark. Unsere Erwartung ist: weitermachen. Wir schauen von Spiel zu Spiel.« Gut, er soll ja nicht reden, sondern Fußball spielen.