Warum Bytyqi trotz Herzfehlers bei Manchester City bleibt

Träum(t) weiter!

Sinan Bytyqi hatte einen Traum: Fußballprofi werden. Also kämpfte er sich durch, aus der österreichischen Provinz bis zu Manchester City. Dann erfuhr er von seinem Herzfehler. Und kämpfte weiter. 

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Fragt man die kickende Besatzung eines x-beliebigen Bolzplatzes des Landes, was sie später einmal werden möchte, so lautet die Antwort in annähernd jedem Fall: Fußballprofi.

Lange Jahre hatte diesen Wunsch auch Sinan Bytyqi. Geboren in Prizren im ehemaligen Jugoslawien, flüchtete die Familie nur wenige Jahre später vor dem Krieg nach Österreich. Die Bytyqis ließen sich in Klagenfurt nieder. Dort gab es auch einen Fußballverein: SK Austria Kärnten.

Aller Anfang ist schwer

2007 fing der 12-jährige Sinan Bytyqi in der Jugendabteilung an zu kicken. Die erste Hürde seiner Laufbahn zeigte sich schon drei Jahre später: 2010 war der Verein bankrott. Da das Land Kärnten die finanzielle Unterstützung verweigerte, folgte für Austria Kärnten der Konkurs. Die Profispieler, solche wie Zlatko Junuzović, mussten sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machen. Die Jugendspieler wie Sinan Bytyqi taten es ihnen gleich. Letzterer wechselte zum Erstligisten SK Admira Wacker Mödling. Vereinsname, Stadt und Umfeld änderten sich, Bytyqis Traum aber blieb derselbe: Profi werden.


2012 wurde Manchester City auf den mittlerweile 17-Jährigen aufmerksam. Bytyqi zog nach England - aus der niederösterreichischen Marktgemeinde Maria Enzersdorf ins Mutterland des Fußballs. Dort verfolgte der Mittelfeldmann in der U21 und U23 des Vereins seinen Traum weiter. Für mehr Spielpraxis wechselte er auf Leihbasis in die niederländische »Eerste Divisie«. Zuerst zum SC Cambuur, eine Saison später zu den Go Ahead Eagles - der Station, die seine letzte werden sollte.

Hiobsbotschaft aus dem Nichts

Im Rahmen eines routinemäßigen Herz-Kreislauf-Checks in Manchester hatte man etwas entdeckt. Bytyqi erreichte die Diagnose während seiner Ausleihe an die Niederlande: Hypertrophe Kardiomyopathie. Ein Teil seines Herzmuskels ist größer als anatomisch üblich. Selbst für junge Erwachsene im achten Semester ihres Medizinstudiums sind die Konsequenzen nicht leicht zu begreifen - für einen jungen Erwachsenen kurz vor dem Ziel, Fußballprofi zu werden, vermutlich erst recht nicht. Bei den Eagles versuchten die Verantwortlichen, Bytyqi die Schwere der Erkrankung an Hand von Zahlen zu verdeutlichen: »Sie sagten, wenn ich weiterspiele, liegt die Chance, dass mein Herz irgendwann plötzlich zu schlagen aufhört, bei vier Prozent. Bei einem Karriereende reduziert sich das Risiko auf ein Prozent«, schildert Bytyqi in einem Interview gegenüber der Daily Mail. Die Zahlen waren klein, der Unterschied zwischen ihnen aber enorm und die Entscheidung, die Bytyqi zu treffen hatte, riesig: Die verheißungsvolle Karriere mit erst 22 Jahren zu beenden oder mit der ständigen Befürchtung auf dem Platz zu stehen, dass die Person am Rand mit der grellfarbenen Montur jederzeit den Defibrillator zücken und zu seiner Wiederbelebung ansetzen müsse.