Warum in Brasilien kein Trainer glücklich wird

Nomaden und Novizen in der Serie A

Inzwischen ist die brasilianische Meisterschaft ein einziges Trainergrab. Am Dienstag folgte Trainerentlassung Nummer 19 seit Bapitistas Wutausbruch. Rogério Micale, der das Land bei den Sommerspielen 2016 immerhin erstmals zum Olympiagold im Fußball geführt hatte, wurde bei Schlusslicht Paraná Clube aus Curitiba vor die Tür gesetzt. Seine Arbeit bei Paraná begann im Februar und endete nach 24 Spielen. Als Nachfolger ist Claudinei Oliveira im Gespräch, der erst am Sonntag bei Sport Recife seinen Dienst quittierte. Also der Nachfolger von Baptista, dem Wuttrainer des zweiten Spieltages.

In Rio klingelt das Telefon

Und in dieser Woche sorgte die Entlassung von Jorginho für Schlagzeilen. Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft, Co-Trainer von Nationaltrainer Dunga und Weltmeister von 1994, gehört zu den Schachfiguren, die in dieser Saison hin- und hergeschoben werden, aber auch selbst für umstrittene Momente sorgen. Jorginho, der am Freitag 54 Jahre alt wird, hatte Aufsteiger Ceará lange zappeln lassen und unterschrieb schließlich am 21. Mai den Kontrakt beim Team aus Fortaleza an Nordostküste. Doch 15 Tage später war der ganze Spuk schon wieder vorbei. Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel nannte der ehemalige Profi von Bayer 04 Leverkusen und Bayern München »persönliche Gründe« für seinen Rücktritt.

Wie es der Zufall wollte, wurde nur einen Tag später in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro bei Vasco da Gama ein Trainerjob frei. Jorginho schlug zu, blieb es aber nur bis Mitte August im Amt: Am Montag wurde Jorginho nach der fünften Niederlage im zehnten Spiel entlassen. Nun kann er am Wochenende vom Sofa aus betrachten, wie seine beiden Ex-Clubs Vasco und Ceará um Punkte gegen den Abstieg kämpfen, wenn nicht vorher das Telefon klingelt und irgendwo anders noch schnell ein Job zu vergeben ist.

Warten auf Verstärkung

Nahezu jede Trainerentlassung ist ein Kuriosum für sich. Marcos Paquetá (59) kehrte 14 Jahre nach Trainerjobs im Vorderen Orient in seine Heimat zurück und löste dafür sogar einen geschlossenen Vertrag mit dem indischen Klub Pune City auf. Paquetá übernahm am 25. Juni Botafogo und wurde 36 Tage später nach nur fünf Spielen (vier Niederlagen) wieder vor die Tür gesetzt. Jair Ventura (39), Sohn von 1970er-Weltmeister Jairzinho, gilt als einer der Hoffnungsträger aus der neuen Generation. Doch mit leerer Kasse konnte ihm der Pelé-Klub FC Santos nicht die erhoffte und versprochene Verstärkung im kreativen Mittelfeld geben. Ventura wurde Mitte Juli und dem Sturz auf Rang 15 entlassen, obwohl er mit dem Team sowohl ungefährdet die Gruppenphase im Libertadores-Cup überstanden sowie das Viertelfinale im nationalen Pokal erreicht hatte. Kaum war Ventura entlassen, kamen die Verstärkungen: Die WM-Teilnehmer Bryan Ruiz aus Costa Rica und Carlos Sanchez aus Uruguay.