Warum Borussia Dortmund noch nicht den perfekten Favre-Fußball gespielt hat

Welche Fehler der BVB noch macht

3. Neues Aufbauspiel – in Ansätzen

Wie gut Dortmunds neues Mittelfeld-Trio im Spiel mit dem Ball harmoniert, lässt sich nach dem Auftaktspiel kaum beurteilen. Leipzig nahm das Dortmunder Mittelfeld aus dem Spiel: Ralf Rangnick stellte sein Team in einer Mittelfeldraute auf mit Emil Forsberg als Zehner hinter den Spitzen. Forsberg achtete vor allem darauf, dass Witsel möglichst wenige Bälle erhielt. In typischer Rangnick-Manier gab Leipzig im Pressing Vollgas, ließ dem BVB keine Atempause.

Dortmund versuchte zwar, Favre-typisch mit flachen Pässen aus der Abwehr aufzubauen. Unter dem hohen Druck der Leipziger gelang ihnen dies jedoch nur selten. Nach dem frühen Gegentor (1.) bolzte Dortmund im Zweifel den Ball lieber nach vorne anstatt einen Ballverlust zu riskieren. Ob Dortmunds Mittelfeld im Spielaufbau gegen passivere Gegner mehr Akzente setzen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

4. Passivere Dortmunder nach der zweiten Halbzeit

Dortmund erarbeitete sich die Führung durch zwei Tore nach Standards; auch dies scheint eine neue wichtige Facette ihres Spiels zu sein. Nach der Führung zeigte sich abermals, wie sich Favres Fußball von dem seiner Vorgänger unterscheidet: Dortmund zog sich nun etwas weiter zurück. Nach der Pause hatte der BVB nurmehr 36% Ballbesitz; ein äußerst geringer Wert für ein Team, das unter Thomas Tuchel und Bosz hohen Wert auf das Ballbesitzspiel gelegt hatte.

Doch auch im Spiel gegen den Ball ist der BVB noch weit entfernt vom perfekten Favre-Fußball. Die Abstände innerhalb des 4-1-4-1-Systems stimmten nicht immer. Gerade auf den Flügeln fand Leipzig viel Raum vor, konnte von dort aus gefährliche Pässe in die Tiefe spielen. Mit der Einwechslung von Marius Wolf als defensivem Linksaußen verteidigte der BVB die Flügel konsequenter.

5. Es darf wieder gekontert werden

Unter Favre scheint der BVB eine alte Stärke wieder zu entdecken. Anders als unter Stöger verfiel der BVB nicht in Passivität, sondern war noch immer darauf bedacht, mit schnellen Kontern Nadelstiche zu setzen gegen die weit aufgerückten Leipziger. Das hat nicht nur mit dem neuen Trainer, sondern auch mit den Spielern zu tun: Wer in den Schlussminuten einen dynamischen Dreier-Sturm aus Reus, Wolf und Jadon Sancho aufbietet, kann gar nicht anders als schnell zu kontern. Reus schloss einen dieser Konter zum 4:1-Sieg ab.

Der hohe Sieg ist für Favre kein Anlass abzuheben. »Wir haben taktische Fehler gemacht«, gab er nach dem Spiel unumwunden zu. Es griffen noch nicht alle Räder ineinander bei Favres Debüt im Westfalenstadion. Roman Bürki musste mit einigen Glanzparaden den Sieg retten. Sollte die Saison positiv verlaufen, wird sich aber niemand an diese Details erinnern. Die Fans werden das 4:1 gegen Leipzig als das sehen, was sie sich vor der Saison erhofft haben: als gloriosen Auftakt eines echten Neuanfangs.