Warum besoffene Arbeiter die Eröffnung des neuen Tottenham-Stadions verhindern

Mitten im Chaos

Eigentlich sollte Tottenham Hotspur längst im neuen Stadion spielen können, doch der Eröffnungstermin verschiebt sich immer wieder. Alles erinnert an einen berühmten Berliner Flughafen. Und jetzt wurde auch noch Kokain gefunden.

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Das ging für den FC Liverpool gerade noch einmal gut: Am Freitagabend führten die »Reds« bereits mit 2:0 gegen Tottenham Hotspur, da erzielte Tottenhams Erik Lamela in der Nachspielzeit erst den Anschlusstreffer und dann wurde auch noch Heung-Min Son im Liverpooler Strafraum elfmeterreif gefoult. Dass Schiedsrichter Michael Oliver nicht auf Strafstoß entschied, sorgte bei den Spurs - gelinde gesagt - für etwas Verwirrung.

Jeder Auftrag an eine andere Firma

Dass sie bei Tottenham Hotspur derzeit etwas verwirrt wirken, könnte auch daran liegen, dass sie noch immer im Wembley-Stadion spielen. Auch am vergangenen Freitag pfiff Schiedsrichter Oliver im englischen Nationalstadion an, statt wie vorgesehen im neuen Stadion der Spurs. Die New White Hart Lane hätte nach Vereinsplänen zum Spiel gegen Liverpool feierlich eröffnet werden sollen. Doch statt eine große Party zu feiern zu können, werden die Probleme auf der Baustelle immer größer. Was an komplizierten Auftragsmodellen liegt und an einem Arbeitsethos der Angestellten, der staunen lässt.

Bereits im August hatte der Verein bekannt gegeben, dass das anvisierte Datum verpasst werden würde. Damals argumentierten die Verantwortliche, dass es in der Arena »Probleme mit dem Sicherheitssystem« geben würde. Ein Satz, der jeden Beobachter des neuen Berliner Flughafens aufschrecken lässt. Jetzt hat das Fachmagazin »Construction News« einen Bericht veröffentlicht, der sich noch viel schlimmer liest. Denn ähnlich wie beim BER verzichtete man auch in London auf einen Generalunternehmer, vergab Aufträge an einzelne Firmen.

Keiner weiß, was der andere macht

Die Folge: Auf der größten Baustelle der Premier League weiß keiner so recht, was der andere gerade macht. Die Arbeiter einzelner Subunternehmen würden, laut Bericht, zu Beginn der Woche auf der Baustelle ankommen, exakt ihren Auftrag ausführen und wieder gehen. Erst vor kurzem wollten Elektriker zwei wichtige elektronische Verdrahtungsabschnitte miteinander verbinden, nur um feststellen zu müssen, dass ein anderes Unternehmen bereits alle Zugänge zubetoniert hatte. Also: Alles abreißen, alles nochmal von vorne.