Warum Benjamin Pavard für den VfB so wichtig ist

Der lockige Fels in der Bundesliga-Brandung

Als einziger im Stuttgarter Kader hat er diese Saison noch keine einzige Spielminute verpasst. Während er in der zweiten Liga noch hin und wieder umständlich und wenig abgeklärt agierte, ist er diese Saison der lockige Fels in der Bundesliga-Brandung. Spätestens seit Tayfun Korkut am 20. Spieltag übernahm, läuft es so richtig: Auf der berühmten Korkut-Tabelle stehen neun Gegentore aus zehn Spielen, Stuttgart hat mittlerweile die drittbeste Defensive der Liga. 

Auch dank Benjamin Pavard. Der neue Coach bezeichnet ihn als »Krieger«. Er selbst sagt, er sei diese Saison »erwachsen geworden«. Vom manchmal nervösen »Benji« zum routinierten Innenverteidiger Benjamin. Dabei kann der 22-Jährige auch auf der Sechs oder als Außenverteidiger auflaufen, in der Zweitligasaison stand er meistens rechts in der Viererkette.

Diese Flexibilität ist eine seiner großen Stärken. Auch wenn er die Positionen mittlerweile in Stuttgart kaum spielt, hilft ihm sein Verständnis von deren Bewegungsmuster und Herausforderungen gerade in Aufbau und Stellungsspiel stark weiter. Wo er im Endeffekt aufgeboten werde, »macht keinen großen Unterschied«, sagt er. 

In der Nationalmannschaft, für die er dieses Jahr schon zwei Mal auflief, setzte ihn Didier Deschamps als Rechtsverteidiger ein. Eine Parallele zum französischen Rekordnationalspieler, Weltmeister und Europameister Lilian Thuram, der anders als im Verein für die Equipe Tricolore lange Zeit nur auf der rechten Defensivseite auflief.

Eine Karriere wie Lilian Thuram?

»Wieso sollte ich nicht eine Karriere wie er haben?«, fragte Pavard im Interview mit goal.com. Denn neben der Positionsflexibilität hat er auch seine Zweikampfführung stark verbessert. Falls jemand behaupten möchte, die Grätsche sterbe aus, ist Pavard der lebende Gegenbeweis. In 30 Spielen hat er lediglich zwei gelbe Karten bekommen, überhaupt nur 0,7 Mal pro Spiel gefoult. Dafür unzählige Dribblings sauber abgegrätscht, Pässe abgefangen und Bälle geklärt.

Mit gerade 22 Jahren ist der Junge aus dem Nord-Pas-de-Calais Abwehrchef in Stuttgart. Sein Vater Frederic, der ihn früher die Stunde zum Training nach Lille brachte, fährt jetzt für jedes Heimspiel sechs Stunden, um seinen Sohn zu sehen. So sind sie nun mal da oben im Norden Frankreichs: Merkwürdig irgendwie, aber zuverlässig. Und harte Arbeiter, wie Benjamin auf dem Platz.

Seine Loyalität muss Pavard hingegen noch beweisen. Im Dezember verlängerte der VfB seinen Vertrag bis 2021, doch der Franzose will Champions League spielen. Das Interesse von großen Klubs ist verbrieft, aber er wird sich vermutlich noch etwas gedulden müssen. Michael Reschke, VfB-Sportvorstand, ließ verlauten, für 30 Millionen würde man noch nicht einmal die Tür für ein Gespräch öffnen. 

Auch in Schwaben gibt es merkwürdige Leute. Und der Dialekt erst.