Warum Benjamin Pavard für den VfB so wichtig ist

Korkuts Krieger

Als einziger Stuttgarter hat Benjamin Pavard diese Saison noch keine Minute verpasst. Kein Wunder: Der 22-jährige Franzose ist im Ländle nach anderthalb Jahren zum Abwehrchef aufgestiegen. Wegen seiner Herkunft - und einer Gemeinsamkeit mit Lilian Thuram.

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Die Bewohner der französischen Region Nord-Pas-de-Calais gelten ihren Landsleuten als verschroben. Merkwürdige Zeitgenossen sollen das sein, mit einem absolut unverständlichen Dialekt, geprägt vom Bergbau vergangener Tage und gezeichnet von 300 Tagen schlechtem Wetter im Jahr. Die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch, die Abwanderungszahlen ebenfalls.

Doch es sind vermutlich die gleichen Gründe, die sie so loyal und zuverlässig machen. Harte, ehrlicher Arbeiter. Und schließlich ist die nördlichste Region des Landes, die 2016 mit der Picardie zum neuen Departement »Hautes-de-France« zusammengefasst wurde, auch ein Zentrum des Fußballs. Nord-Pas-de-Calais, quasi das Ruhrgebiet Frankreichs. Der Ex-Meister RC Lens kommt aus der Region, genau wie der FC Valenciennes und der OSC Lille.

Dort wird Benjamin Pavard am 28. März 1996 hineingeboren. In Maubeuge, einem 40.000-Einwohner-Städtchen unweit der belgischen Grenze fängt er 2002 an, Fußball zu spielen. Nur drei Jahre später wechselt er in die Jugendabteilung von Lille. Da ist er gerade neun und sein neuer Klub hat im Jahr zuvor den Intertoto Cup gewonnen.

Aus der Ligue 1 in die Zweitklassigkeit

80 Kilometer sind es von Maubeuge nach Lille, seine Eltern fahren ihn jeweils über eine Stunde zum Training und wieder zurück. 13 Jahre später zahlt sich der ganze Aufwand aus: Der Sohn debütiert am 31. Januar 2015 für die erste Mannschaft des LOSC. Es folgen Einsätze in Frankreichs U19- und U21-Nationalmannschaften.

Doch komplett überzeugen kann Pavard in Lille noch nicht. In der Saison 2015/16 kommt er nur auf 13 Einsätze, steht gegen Ende der Spielzeit nicht mal mehr im Kader. Nach lediglich 21 Profi-Einsätzen verpflichtet ihn der VfB Stuttgart. Pavard soll als junger Innenverteidiger Teil der schwäbischen Runderneuerung sein, nachdem der VfB aus der Bundesliga abgestiegen ist.

Der Wechsel sorgt für Stirnrunzeln. Aus der französischen ersten Liga in die deutsche Zweitklassigkeit? Für einen vielversprechenden Nachwuchsnationalspieler ist das ein merkwürdiger Zug. Aber so sind sie nun mal, da oben im Norden Frankreichs. Als Pavard dann mit dem Team den direkten Wiederaufstieg klarmacht, werden die Zweifler weniger. Und nach seiner ersten Saison in der Bundesliga wird es vermutlich gar keine mehr geben.