Warum Benjamin Hübner für die TSG so wichtig ist

Mentalitätsmonster mit Wandschrankqualitäten

Mit seiner wandschrankartigen Physis bei 85 Kilogramm gewinnt er über 60 Prozent seiner Zweikämpfe, seine 1,93 Meter sind Kopfball-Gardemaß und die richtige Einstellung bringt er auch mit: »Wenn der Gegner kein Tor schießt und ein Stück weit verzweifelt, macht es mir Spaß«, sagt Hübner. Obwohl er so in 22 Ligaeinsätzen schon auf 40 Fouls kommt, ist die körperliche Präsenz auf der letzten Linie für die TSG essentiell, um ihr Umschaltspiel durchziehen zu können. Ohne aggressive Ballgewinne keine schnellen Gegenangriffe.

Dafür ebenso wichtig: seine gedankenschnelle Spieleröffnung. Die Passquote ist mit 85 Prozent hervorragend für einen Abwehrspieler, häufig macht Hübner das Spiel nach einem Ballgewinn durch intelligentes Stellungsspiel oder gut getimte Grätschen schnell – ganz im Sinne des Trainers. Bietet sich keine nahegelegene Anspielstation, kann er auch aus dem Halbfeld flanken, legte so bereits zwei Mal für die Mitspieler auf.

Auch Rosen sagt über Hübner: »Er ist es gewohnt aggressiv und hoch zu verteidigen, was sehr gut zu unserer Spielidee passt. Er ist äußerst kopfballstark und eröffnet uns als Linksfuß im Spielaufbau außerdem mehr Möglichkeiten.« Ist der Ball dann in der gegnerischen Hälfte, läuft es dank Nagelsmann-Taktik und technischer Ausnahmekönner wie Serge Gnabry oder Vollstreckern wie Mark Uth in der Regel sowieso recht glatt. Und wenn die Stürmer mal nicht treffen, sichert Hübner vorne per Kopfballtreffer die Punkte, wie gegen Bremen und Augsburg. 

Die Null muss stehen

Im Vergleich zur letzten Saison schwächelte die Defensive dieses Jahr allerdings etwas zu häufig, auch weil Hübner zwischendurch verletzt ausfiel. Doch nachdem Hoffenheim zwischendurch den Anschluss an die internationalen Plätze zu verlieren drohte, stehen sie vor diesem Spieltag nur noch zwei Punkte hinter Euro-League-Platz sechs. Dank der starken Abwehr um Benjamin Hübner, die auch in den verbleibenden acht Spielen den Unterschied machen könnte.

So wie in den vergangenen beiden Partien, als die extrem körperlich agierende Dreierkette sicher stand und die »drei Hünen«, wie Augsburg-Trainer Manuel Baum Hübner, Kevin Vogt und Kevin Akpoguma taufte, zwei Zu-Null-Siege gegen Augsburg und Wolfsburg ermöglichten. Bleibt die Dreierkombination hinten drin derart stabil, kann die viertbeste Offensive der Liga mit ihren Qualitäten vorne die Spiele entscheiden. Und Hoffenheim so auf der Zielgeraden der Saison doch nochmal zum Angriff auf die Qualifikation für Europa blasen. 

Denn nach dem mit fünf Punkten aus sechs Spielen ziemlich misslungenen europäischen Intermezzo hat die TSG Lust auf Wiedergutmachung. Auch Hübner, der sagt: »Ich würde die Europa-League-Saison gerne mit einer besseren vergessen machen.« Er hat es selbst in der Hand.