Warum Benfica chancenlos ist

Der Guttmann-Fluch

Glückwunsch, FC Bayern! Benfica kann die Champions League gar nicht gewinnen. Warum? Weil auf der Mannschaft ein alter Fluch liegt.

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Spezial 07

Was genau gesagt wurde, daran kann (oder will) sich heute niemand mehr erinnern. Es könnte ja am Ende die schöne Geschichte kaputtmachen. Zu den gesicherten Tatsachen gehört, dass es Bela Guttmann nach dem Triumph in die Ehrenloge zog. Soeben hatte Benfica zum zweiten Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewonnen, durch ein 5:3 gegen Real Madrid in einem der berauschendsten Endspiele überhaupt.

»Wir schießen immer ein Tor mehr!«

Drei Puskas-Tore und ein 2:0-Vorsprung hatten Real nicht gereicht, weil Benficas Offensive um Jungstar Eusebio danach in einer Weise wirbelte, dass der schon etwas in die Jahre gekommenen Madrider Elf Hören und Sehen verging. Frei nach dem Motto des Bela Guttmann: »Ich habe mich nie darum geschert, wenn der Gegner ein Tor schoss. Weil ich immer wusste, dass wir eines mehr schießen können.«



Doch der vielleicht schönste Tag seiner Trainerkarriere nimmt für Guttmann kein gutes Ende, denn an jenem 2. Mai 1962 kommt es im Olympiastadion von Amsterdam zu einem folgenschweren Dialog. Es geht um Geld. Guttmann will mehr, ob Gehalt oder ihm angeblich zustehende Prämien ist nicht mehr zu rekonstruieren. Benficas Präsident Antonio Vital indes bleibt hart, worauf Guttmann verbittert zurücktritt und die schicksalsschweren Worte sagt, die angeblich bis heute fortwirken.

»Nicht in hundert Jahren!«

Die härtere Version davon lautet: »Nicht in hundert Jahren wird Benfica noch mal den Europapokal gewinnen!« Eine weichere: »Ohne mich wird es hundert Jahre dauern, bis wieder ein portugiesisches Team den Europacup holt.«

Die harte Version klingt natürlich besser. So pointiert wurde sie zu einem der vitalsten Mythen der modernen Fußballgeschichte, dem sogenannten »Guttmann-Fluch«. 53 Jahre ist es mittlerweile her, dass der aus Ungarn stammende Trainer im Streit von Benfica schied. In dieser Zeit stand der Klub achtmal in einem europäischen Finale: fünfmal im Europapokal der Landemeister, einmal im UEFA-Cup, zweimal in der Europa League. Er verlor sie alle.

Knapp verloren, kann passieren. Oder?

Natürlich kristallisiert sich die Erkenntnis, ein Spielball höherer Mächte zu sein, erst mit der Zeit heraus. Ein Jahr nach der rauschenden und am Ende verkaterten Ballnacht von Amsterdam steht Benfica erneut im Finale, diesmal in Wembley gegen den AC Mailand. Eusebio schießt die Portugiesen in Führung, doch in der zweiten Halbzeit schlägt Milan durch zwei Tore von José Altafini zurück. Ein umkämpftes Endspiel, knapp verloren: kann passieren, keine besonderen Vorkommnisse.