Warum bekommt Austria Salzburg keine Lizenz?

Die Sache mit dem Stadion

Von Fans gegründet und an der Schwelle zum Profifußball: Austria Salzburg will endlich aufsteigen. Das Problem: Es gibt noch keine Lizenz. Und ein politisches Ringen um das Stadion.

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Lizenzvergabe ist ein staubiges Wort. Im hektischen Fußballalltag taucht dieser Begriff meistens im Frühjahr auf, wenn Vereine die lästige Pflicht erfüllen und der Liga detailgenau ihre Profitauglichkeit nachweisen müssen. Es geht um Dinge wie Finanzen, ein ordentliches Stadion und auch um Details wie die Zahl der Parkplätze. Die theoretische Klammer für den Profifußball.

Normalerweise genügt dann eine Pressemitteilung, um die erfolgreiche Lizenzvergabe zu verkünden. Aber nicht, wenn es schief geht. Und erst recht nicht dann, wenn es dabei um einen der interessantesten Klubs im deutschsprachigen Raum geht, der an der Schwelle zum Profifußball steht.

Austria Salzburg, der von enttäuschen Fans trotzig gegründete Gegenentwurf zum übermächtigen Energydrink-Verein RB Salzburg, wurde die Lizenz für die zweite österreichische Liga vorerst nicht erteilt. Ein Rückschlag für das Vorbild einiger deutschen Initiativen, das sich seit 2006 aus der untersten Liga nach oben kämpfte. Heute steht die Austria fünf Spieltage vor Schluss an der Tabellenspitze, komfortable sechs Punkte Vorsprung vor dem Zweiten aus Wattens. Der Aufstieg in den Profifußball ist zum Greifen. Eigentlich fehlt nur noch die Lizenz.

Ein paar Tricks für die Lizenz

»Ich war überrascht, dass man uns die Lizenz verweigert hat«, beschreibt Austria-Vorstand Walter Windischbauer seine Stimmung vom 30. April diesen Jahres, als er die Nachricht erhielt. Das Problem der Austria: Sie brauchen ein richtiges Stadion. Die bisherige Spielstätte der Regionalliga, die Anlage im Salzburger Stadtteil Maxglan, genügt den Ansprüchen des Profifußballs nicht.

Deshalb wurde ein bisschen getrickst. Austria wusste, dass Maxglan in der bisherigen Form nicht lizenzfähig ist. Zu klein und nicht besser als ein durchschnittliches Landesliga-Stadion, monierten die Kritiker. Gerade mal 1600 Zuschauer passen ins Stadion. Deshalb beantragte Austria die Lizenz mit ihrem Ausweichstadion in Schwanenstadt, etwa 60 Kilometer außerhalb von Salzburg gelegen. Mit einer Kapazität von 3000 Plätzen auch kein Fußballtempel, aber immerhin ausreichend für die zweite österreichische Liga. Dachten die Salzburger.

Doch dafür wurde ihnen die Lizenz in erster Instanz verweigert. Zu schwache Flutlichter, kein Kameraturm für die TV-Übertragungen und zu wenig Platz für die riesigen Trucks der TV-Sender. Diese Makel versuchte der Verein von Windischbauer in den vergangenen zwei Wochen zu beheben: »Wir sind zuversichtlich, dass uns Schwanenstadt jetzt genehmigt wird.“ Am Montag absolvierte der Ligaverband zusammen mit dem Austria-Vorstand den finalen Rundgang, am Samstag wird die Entscheidung bekannt gegeben.

»Wir sind ein Stadtverein«

Gleichzeitig werkeln Bauarbeiter am Stadion in Salzburg-Maxglan, denn man sei ein Stadtverein, sagt Windischbauer, und als solcher müsse man ja auch in der Stadt spielen und nicht in der oberösterreichischen Provinz Schwanenstadt. Nötig wurde die Ausweichvariante, weil Windischbauer und die Austria schon länger auf die notwendigen Genehmigungen für die Renovierung in Maxglan warteten. Erst nach Ostern gab es grünes Licht. Mitte Juli haben sie sich nun selbst als Deadline gegeben, ab dann sollen die Spiele der Salzburger Austria in Maxglan stattfinden. Nur die vier Risikospiele werden wahrscheinlich im Ausweichstadion ausgetragen. 

Für die Austria sind die kleinen Hürden nichts Neues. Nach der Übernahme des alten Vereins durch Red Bull kämpfte sich der von Fans neu gegründete Klub seit 2006 durch alle Ligen, angefangen in der Salzburger 2. Klasse A Nord. Einige Fans wurden zu Spielern. Nach vier Aufstiegen in Folge hängt Salzburg seit 2010 in der Regionalliga West fest. Im vergangenen Jahr scheiterte der Aufstieg erst in der Relegation gegen den Florisdorfer AC. Damals erhielt Austria sogar die Lizenz, weil die Bestimmungen noch andere waren. Dieses Jahr soll beides klappen: Aufstieg und Lizenz.