Warum Bayern (vielleicht) doch strauchelt

Folgt dem Trip der Kater?

Binnen einer Woche brillierten die Roten mit der Freude am Halali, sie siegten 5:1 gegen die Löwen, 5:1 in der Champions League gegen Spartak Moskau, 4:1 über den bisherigen Spitzenreiter Kaiserslautern (ja, ist wirklich lange her). Analogien zum Ist-Zustand 2015 sind schwer zu leugnen: Drei Titel im Gepäck, Kurs auf den unerreichten vierten, dabei beschwipst von einem Rausch, der nicht aus dem Bierzelt rührt. In die pfundigsten Wiesn-Wochen presste Bayern ein 5:1 gegen Wolfsburg, ein 5:0 gegen das moskaueske Zagreb sowie ein 5:1 gegen Dortmund, das nicht wie weiland Kaiserslautern als Tabellenführer, aber durchaus als ernsthafter Verfolger anreiste. Dem Trip folgte der Kater.

»Besser als unsere Mannschaft kann man nicht spielen!«
 
2001 staunten die Unschlagbar-Bayern über ihre Virtuosität. »Eine Phase, in der einfach alles läuft« erkannte Oliver Kahn, der freilich der Tobsucht nahe war, weil er sich im Schnitt ein Gegentor einhandelte. Dafür entzückte die Kombinationsfreude des bayerischen Bermudadreiecks Elber-Salihamidzic-Santa Cruz, niemand schien den Klassenstreber davon abhalten zu können, diesen Verein mit einer weiteren Facette zu versehen.

Erfolgreich waren sie ja immer, diese Bazis, unverschämt erfolgreich, aber selten war der Weg das Ziel – sondern halt das Ziel. Die geschmückte Manege, Erlebnis- statt Ergebnisfußball boten fortwährend die anderen: die Gladbacher, die Hamburger, die Bremer. Im Herbst 2001 betonten die Bayern ihre Künste so aufreizend, dass Rummenigge schmetterte: »Besser als unsere Mannschaft kann man nicht spielen!« Den Zusatz »auf Jahre hinaus« sparte er sich. Seine Parole war allgemeingültig genug.
 
Die Apokalypse: Sechs Spiele ohne dreifachen Punktgewinn
 
Neun Siege erzielten die Münchner von Mitte August bis Mitte November, sie gewannen auch in Köln, obwohl sie zuvor zu tapferen Schneiderlein mutieren mussten - der Zeugwart hatte die Auswärtsgarnitur vergessen, und die Bayern schnibbelten die Ärmel von den Trainingsleibchen.
 
Kurz darauf war der Bruch da. Personifiziert wurde er in der Rückkehr des 33-jährigen Rädelsführers Stefan Effenberg, der dreieinhalb Monate verletzt gefehlt hatte, nie wieder sein Niveau erreichte, von Hitzfeld aber permanent nominiert wurde. Es hagelte sechs Spiele ohne dreifachen Punktgewinn. Sechs. Das ist für den FC Bayern etwa eine Apokalypse.

Zwischendurch wurde in einer grausigen Partie der Weltpokal eingeheimst, das kaschierte die Schaffenskrise notdürftig bis unzureichend. Wahrscheinlich beschäftigen sich Historiker oder Wissenschaftler oder beide nach wie vor damit, wie es sein kann, dass eine Übermannschaft derart aus dem Tritt gerät; und noch wahrscheinlicher finden sie keine plausible Erklärung.

Die Bayern, die eben noch mit kindlichem Leicht-Sinn die Liga vereinnahmten, spielten 0:0 gegen Nürnberg, verloren in Berlin und in Rostock. Der FC Schalke feixte über seine 5:1-Ohrfeige. Irgendwann in tristen Wintertagen stürzte der Meister auf die UEFA-Cup-Ränge – und in überwunden geglaubte FC-Hollywood-Sphären.

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