Warum Bayern plötzlich guten Fußball spielt

Ancelotti hat endlich eine Rolle für Müller

3. Ancelotti hat endlich eine Rolle für Müller
Die wichtigste Verbesserung im 4-2-3-1: Thomas Müller hat wieder eine passende Rolle. Weder als Außenstürmer noch als Neuner konnte er unter Ancelotti überzeugen. Nun gibt er wieder den klassischen Zehner im 4-2-3-1-System – und bringt mit seiner ureigenen Unberechenbarkeit eine neue Note ins Bayern-Spiel.

Er besetzt den Zehnerraum, weicht aber auch häufig aus oder startet in die Tiefe. Das befreit wiederum seine Kollegen: Stürmer Robert Lewandowski und die Außenstürmer erhalten Freiräume, wenn Müller mit seinen ungewöhnlichen Bewegungen Gegenspieler herauszieht.

Genau das gelang Müller gegen Schalke: Der Raumdeuter sprintete vor und zurück, wich aus, legte Bälle ab. Vor allem James Rodriguez nutzte die entstehenden Lücken und besetzte die Räume, die Müller öffnete. James avancierte zum Spieler des Spiels, auch weil er die Außenstürmer-Position sehr frei interpretierte und in Schalkes raumorientierten 5-4-1 Unordnung stiftete.

4. Tedesco will, dass seine Schalker sich was trauen
Standesgemäßer 3:0-Sieg, 65 Prozent Ballbesitz, ein entfesselter Sturm: Man könnte meinen, es war ein typischer Bayern-Sieg. Doch Schalke ließ sich keineswegs in die Rolle des Außenseiters drücken. Immer wieder versuchten sie, selbst den Ball zu halten und aus der Abwehr eigene Angriffe zu initiieren. Lange Bälle auf die Stürmer vermieden sie, stattdessen spielten sie den ersten Pass flach zum nahen Mitspieler.

Das war in einigen Situationen äußerst riskant und führte zu unnötigen Ballverlusten. In anderen Situationen zeigten sich die Vorteile dieser Variante: Die Bayern waren in ihrem Gegenpressing nicht sehr griffig, die Doppelsechs rückte zu spät nach. Wenn Schalke die Münchener herauslocken konnte, entstanden vor allem auf den Flügeln Freiräume. Mehrere Male konnten sich die Schalker somit vor das gegnerische Tor kombinieren. Torhüter Sven Ulreich hielt aber alles, was auf seinen Kasten kam. Dass er einer der stärksten Bayern-Spieler auf dem Platz war, zeigt: Chancenlos war Schalke nicht. Und die Bayern sind trotz Krisen-Ende nicht zu hundert Prozent sattelfest.

5. Man muss gegen die Bayern fehlerlos agieren
Trotz allem Gerede um eine mögliche Bayern-Krise: Die Bayern sind fast allen Teams der Liga individuell haushoch überlegen. Durch das höhere Niveau sind die Ansprüche schlicht höher – und schwache Leistungen und taktisch fragwürdige Entscheidungen werden eher einmal kritisiert als bei anderen Teams.

Doch wer nicht fehlerlos gegen die Bayern agiert, holt gegen sie keinen Punkt. Ja, die Bayern fühlten sich beim 4:0 gegen Mainz und nun beim 3:0 auf Schalke im 4-2-3-1-System mit Müller auf der Zehn sichtlich wohler. Und doch profitierten sie von individuellen Fehlern des Gegners, um auf die Siegerstraße zu gelangen. Am Dienstagabend war es Naldo, der einen Elfmeter verschuldete und damit seiner Mannschaft schadete. Und wer erst einmal 0:1 gegen die Bayern hinten liegt und etwas aufmachen muss, wird gnadenlos ausgekontert – egal ob Krise oder nicht.