Warum Aues Einspruch niemanden überraschen sollte

Warum Leonhardt nur seinen Prinzipien folgt

Vielleicht. Doch wer Helge Leonhardt kennt, der weiß, dass er nur seinen Prinzipien folgt.

Seit er das Amt des Präsidenten übernommen hat, geriert sich der Unternehmer gerne als Alleinherrscher im kleinen Staate Aue. »Nur Autoritäten gewinnen den Kampf ums Dasein«, sagt Leonhardt. Er sieht sich selbst als »ersten Soldaten« im Verein. Das gefällt nicht allen, die Gegenstimmen werden lauter, aber Leonhardt lässt sich davon nicht beirren. Er hat hier das Sagen. »Wir sind ein Unternehmen, wir haben eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern.«

Worauf sich die Anwälte berufen

Er sieht Erzgebirge Aue - der Verein trägt den Namen der Region in Anlehnung an den FC Bayern München - zwar als familiären Klub, der aber für Größeres bestimmt ist. Doch jetzt muss erst einmal der Abstieg verhindert werden. Dafür hat der Unternehmer Juristen organisiert. Und die haben sich in ihrem Einspruch auf vergangene DFB-Urteile im Fall »Thomas Helmer« berufen.

Die Anwälte fragen: »Wenn der DFB schon von Schiedsrichterentscheidscheidungen abgewichen ist, warum dann nicht genau jetzt?« Zugegebenermaßen ist der DFB nicht ganz unschuldig daran, dass Aue solch einen Wind machen darf. Hatte der Verband doch erst vor wenigen Wochen einen Platzverweis von Nils Petersen zurückgenommen, damit der WM-Kandidat im Abstiegsendspurt weiter auflaufen konnte. Die Linien verwischen durch solche Urteile, den Videobeweis und den (fehlenden) Videoschiedsrichter. Aue macht sich das zunutze. Der Richter hat den Einspruch trotzdem abgelehnt.

Lassen sich die Schiedsrichter irritieren?

Weshalb Leonhardt in der Nacht eine Idee kam, die er mit wippenden Beinen am nächsten Tag vorstellte: 19 Vereine in der 2. Liga. Dann müsse niemand traurig sein. Ein Deal, wie er in seiner Unternehmerwelt bekannt ist. Im Profifußball aber wohl wenig Aussicht auf Erfolg hat. Und für den neutralen Zuschauer lächerlich wirkt. Was aber nicht heißt, dass Leonhardt nicht Realist wäre: »Wir müssen den Rechtsweg ausschöpfen, aber ich gehe davon aus, dass wir Freitag in Karlsruhe spielen.« Möglicherweise will Leonhardt auch nur das Schiedsrichtergespann in den kommenden zwei Spielen beeinflussen. Der erste Soldat von Aue, er will sich nicht vorwerfen lassen, nicht jedes Mittel ausgeschöpft zu haben, um den Abstieg zu verhindern. Bis dahin wird bis zur letzten Patrone gekämpft.