Warum Aues Einspruch niemanden überraschen sollte

Bis zur letzten Patrone

Erzgebirge Aue muss auch aufgrund einer falschen Schiedsrichterentscheidung in die Relegation. Der Verein protestiert vehement und schlägt sogar das Modell einer 19er-Liga vor. Das Verhalten ist vielleicht peinlich, aber nicht überraschend.

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Helge Leonhardt saß auf dem Podest der Pressekonferenz und wippte nervös mit den Beinen. Eine ungewöhnliche Gefühlsregung für den sonst so strammen Präsidenten beim FC Erzgebirge Aue. Aber es geht ja auch ums Überleben.

Seit Sonntag steht der Verein aus dem tiefsten Osten Deutschlands mit einem Bein in der 3. Liga. In einem verrückten Abstiegskrimi zog Erzgebirge Aue den Kürzeren, steht auf dem Relegationsrang und spielt an diesem Wochenende gegen den Karlsruher SC um Wohl und Weh. Und das nur, weil am Sonntag alles Unglück zusammen kam. Erst übersah das Schiedsrichtergespann, dass der Ball in der ersten Halbzeit die Linie überquert hatte. Dann wurden Aue zwei mögliche oder gar fällige Strafstöße nicht gegeben und am Ende traf auch noch Darmstadt das Tor. Aue war plötzlich Sechzehnter der Zweiten Liga.

Sauerei und Frechheit

Skandal schrien die Fans, die Spieler und allen voran Präsident Helge Leonhardt. Der dem DFB sogleich noch empfahl, die Konten der beteiligten Schiedsrichter zu überprüfen, derart verschaukelt fühle er sich. »Das ist eine bodenlose Sauerei und Frechheit«, schimpfte er noch auf dem Weg in die Kabine.

Zugegeben: Wer das Spiel in Darmstadt und die zahlreichen falschen Entscheidungen sah, kann den ungebremsten Ärger zumindest nachvollziehen. Und auch, dass der Verein sofort Einspruch gegen das Ergebnis einlegte. Doch die Sympathie für den Underdog erstickte, als Präsident Leonhardt auf der Pressekonferenz nervös wurde.

Ist das peinlich?

Am Mittwoch hatte der DFB den ersten Einspruch abgelehnt. Weshalb sich Helge Leonhardt öffentlich an den letzten Strohhalm klammerte: »Vielleicht können wir uns auf diesen Deal einigen. Aue bleibt in der zweiten Bundesliga, und der Karlsruher SC steigt auf. Das wäre ein salomonisches Urteil.« Ein Vereinspräsident, der nach einem juristischen Urteil einen Deal vorschlägt, obwohl er eigentlich gar nichts mehr zu bieten hat. Eine Ligenaufstockung, nur weil ein einziges Tor nicht gegeben wurde. Allein der Vorschlag ist peinlich!