Warum Argentiniens Liga stillsteht

Fußball für niemanden

In Argentiniens erster Liga ist der Spielbetrieb zum Stillstand gekommen. Schuld daran sind gebrochene Wahlversprechen, Verbandsinteressen und TV-Verträge. Müssen am Ende die Fans blechen?

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Pay-TV ist in Argentinien nicht weit verbreitet. Um hochklassigen Fußball zu schauen, musste in den vergangenen Jahren kein Fan auch nur einen Pesos zahlen. »Fútbol para Todos« (kurz: FTP) also »Fußballs für Alle« lautete das Programm, das die sozialistische Präsidentin Christina Kirchner im August 2009 verabschiedet hatte. Jene Politikerin, die bei der Heimkehr der WM-Finalverlierer 2014 eingestand, dass sie sich für Fußball überhaupt nicht interessiere und auch das Endspiel nicht gesehen habe. Jene Politikerin, die allerdings wusste, dass kostenloses Sportfernsehen Wahlen gewinnen kann.

Wo der Exzess noch lebt

In einem Land, das den Fußballexzess lebt, das bekannt ist für seine ausschweifenden, bunten Choreographien und wo Spieler nach Niederlagen mit dem Tode bedroht werden, dort kann »Fútbol para Todos« das Zünglein an der Waage sein.

Kosten von 150 Millionen Euro

Ihr konservativer Nachfolger Mauricio Macri, einst Präsident von Boca Juniors und zuletzt Bürgermeister in Buenos Aires, versprach deshalb im Wahlkampf, dass das Programm unangetastet bleibe. Abgesehen von etwas Regierungspropaganda in den Halbzeitpausen und den jährlichen Kosten von umgerechnet 150 Millionen Euro im Staatshaushalt, gab es ja auch nichts dagegen einzuwenden. Bis Macri etwas genauer in den Steuersäckel blickte - und »Fútbol para Todos« sofort beendete.

Jetzt steht der argentinische Fußball vor dem Scherbenhaufen.

Am 17. Februar sollte der Spielbetrieb nach der Winterpause offiziell wieder aufgenommen werden. Der Versuch scheiterte. Auch der Spieltag am kommenden Wochenende ist bereits abgesagt. Der Grund: Die Regierung setzte die noch offenen Zahlungen von umgerechnet 21 Millionen Euro aus, Spieler der klammen Vereine warten seitdem auf ihre Gehälter oder befinden sich bereits, wie im Fall von Newell’s Old Boys und CA Banfield, im Streik. Aus Fußball für alle wurde Fußball für niemanden.

Korruptionsprobleme in der AFA

Denn die Regierung möchte die offene TV-Lizenz möglichst schnell eintüten und hat als Anbieter den Fernsehsender FOX für circa 130 Millionen Euro im Jahr gefunden. Die Klubs sind sich jedoch sicher, dass man etwa das eineinhalbfache an Lizenzgebühren verdienen könnte. Und verhandeln deshalb zeitgleich mit ESPN.

Nicht förderlich ist zudem die Weigerung der argentinischen Regierung die ausstehenden 21 Millionen an den Verband und somit indirekt an die wartenden Vereine zu zahlen. Diese würden von Präsident Macri laut offizieller Sprechweise erst überwiesen, wenn die Funktionäre ihre Korruptionsprobleme in den Griff bekommen hätten.