Warum Anthony Modeste für den Kölner Erfolg steht

Ein alternativloser Weg

Selbstverständlich waren bereits die 15 Saisontore in der Vorsaison ein Beleg für die Qualitäten des Franzosen, der noch immer auf eine Berufung in die Equipe wartet. Mit sieben Toren aus sieben Spielen führt er jetzt nicht nur die Torjägerliste an, sondern schoss auch mehr als die Hälfte aller Kölner Tore (12). Dabei sind die Direktabnahmen noch immer sein beliebtestes Mittel. Dann braucht er nur einen Sekundenbruchteil, um dem Ball die entscheidende Wendung zu geben. Oder Modeste nimmt den Ball in bergkampscher Manier mit und trifft in nur einer Bewegung, wie zuletzt gegen Ingolstadt. So oder so: Er liefert was der Trainer fordert.


Was passiert, wenn das Loch kommt?

Denn der FC ist in dieser Saison genaugenommen nicht viel besser als in der Vorsaison, als man Tabellenneunter wurde. Dort spielte man schon seltener 0:0 als noch im Jahr davor - und somit im ersten Bundesligajahr seit dem Aufstieg -, aber mit 13 Unentschieden führte man auch zum Saisonende noch immer diese Kategorie an. Auch in dieser Saison gewinnt der Domstadtklub viele Spiele nur knapp, abgesehen von einem 3:0 gegen Aufsteiger Freiburg. Und es sind natürlich meist Modestes entscheidende Tore, die für Punkte sorgen. Ob die Kölner Mannschaft einbricht, wenn ihr Stürmer wieder in ein Loch fällt?

 

Zurzeit funktioniert es und der 1. FC Köln könnte am Samstag mit einem Sieg gegen Hertha BSC für eine Nacht die Tabellenführung übernehmen. Das liegt auch daran, dass Peter Stöger in Marco Höger einen soliden und defensivstarken Sechser gefunden hat, der das Kölner Konterspiel über Leonard Bittencourt und Marcel Risse hin zu Anthony Modeste entsprechend absichert. Es spricht Bände, dass Stöger trotz der Abgänge von Yannick Gerhardt und Kevin Vogt sagt: »Ich habe den besten Kader seit ich in Köln arbeite.«

 

Keine Alternativen

 

Denn das Kölner System ist wenig innovativ, sondern abhängig vom Torriecher des Mittelstürmers nach konterähnlichen Situationen. Im besten Fall ist es Einbahnstraßenfußball, im schlimmsten Fall ist es das immer noch. Ohne Ausweg und Abkürzung, wenn der Gegner Modeste aus dem Spiel nehmen kann.

Übrigens: Modeste wurde als Juniorenspieler zum Innenverteidiger ausgebildet. Mit vier gewonnen Luftkämpfen pro Spiel gewinnt er noch jetzt doppelt so viele wie die beiden Verteidiger Heintz und Frederik Sörensen. In dieser Statistik liegen nur Yussuf Poulsen und Vedad Ibisevic vor ihm. Im Sommer 2014 engagierte sich auch Hertha BSC um den Hoffenheimer Modeste. Der schoss Wochen stattdessen später meinen Heimatverein ab. Hertha ergatterte in einem ähnlichen Preissegment Ibisevic. Und beide Vereine stehen sich am Sonntag im »Topspiel« der Bundesliga gegenüber. Besonders aufpassen sollten die Berliner dann in den ersten 40 Sekunden – meine Meinung.

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