Warum Änis Ben-Hatira so wichtig für Frankfurt wurde

Die Frage nach dem Lipotalon

Immerhin galt die Mannschaft vor wenigen Wochen als nahezu abgestiegen. Doch es war ausgerechnet Änis Ben-Hatira, der den Frankfurtern einen Hoffnungsschimmer schenkte beim 1:0 gegen Hannover 96. Wohl wahr: Ein Absteiger. Vielleicht ein Pflichtsieg, wenn man die Klasse halten will. Für Frankfurt waren es aber vor allem drei ganz wichtige Punkte. Punkte, die sie in allen drei darauffolgenden Spielen nicht holen sollten. Als Ben-Hatira zwar meist spielte, aber auch nicht besser als die anderen.

Erst mit seinem Galaauftritt gegen den 1. FSV Mainz begann der klinisch tote Patient aus Frankfurt wieder ein Lebenszeichen zu senden. Ihr Linksaußen hatte das erste Tor beim 2:1-Sieg vorbereitet, nunja, vorgestolpert, und das zweite quasi selbst geschossen. Dem entscheidend ablenkenden Rücken von Stefan Bell wollen wir an dieser Stelle keine Beachtung schenken.

Das Foto eines Arzttisches

Ben-Hatira wusste: »Das war das Endspiel der Endspiele heute, weil gar nichts mehr gegangen wäre, wenn wir die drei Punkte heute nicht geholt hätten.« Eigentlich hätte seine Glückssträhne, die Haare trug er mittlerweile wie einen Wischmopp auf dem Kopf (ein echter Fortschritt zu früheren Verirrungen), jetzt erst beginnen sollen. Alles oder nix. Die perfekte Mentalität im Abstiegskampf.

Doch innerhalb weniger Tage machte sich der 27-Jährige seine Formkurve medienwirksam zunichte. Erst bezeichnete er das Abstiegsendspiel gegen Darmstadt 98 als »Krieg« – was zumindest unglücklich wirkte. Dann postete er via Snapchat und Twitter das Foto eines Arzttisches. Darauf: Aufziehspritzen, Kanülen und ein Behälter mit der Aufschrift »Lipotalon«. Eine im Wettkampf verbotene Substanz.

Bewiesen werden konnte Ben-Hatira nichts. Auch die Untersuchung der NADA nach dem Spiel in Darmstadt ergab bis heute keinen Nachweis der Einnahme eines Dopingmittels. Ausgeschlossen wurde von Seiten des Vereins die Theorie einiger Fans, dass das Foto beim Besuch einer Kinderkrebsklinik entständen wäre. Es soll vielmehr beim Besuch eines sogenannten »Vertrauensarztes« entstanden sein. Viele Fragen blieben offen. Zum Beispiel: Wer dieser Arzt war. Und wofür es Lipotalon braucht. Es war, so oder so, nicht sonderlich intelligent.

Matchball in Bremen

Und dennoch: Auf dem Platz machte Ben-Hatira in den vergangenen Wochen starke Partien. Ließ sich nicht von den Geräuschen neben der Arbeit irritieren. Spielte Fußball wie im Käfig. Eins gegen eins. Verlieren keine Option. Deshalb drei Siege, sodass seine Mannschaft vor dem letzten Spieltag in Bremen einen Vorteil besitzt. Ein Unentschieden reicht für den direkten Klassenerhalt. Wer hätte damit vor vier Wochen gerechnet?

Vier Wochen, in denen Ben-Hatira 6.000 Euro brutto plus Prämien verdiente. Im Sommer stünden Vertragsgespräche an. Vorausgesetzt Frankfurt spielt in Bremen mindestens Unentschieden.

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