Warum Änis Ben-Hatira so wichtig für Frankfurt wurde

Käfigkind

Eintracht Frankfurt und Änis Ben-Hatira wurden in dieser Saison mehr als einmal abgeschrieben. Zusammen sind sie wieder da.

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Vor jedem Spieltag wollen wir euch einen Bundesligaspieler vorstellen, der nicht im Rampenlicht steht und trotzdem eine entscheidende Rolle für seine Mannschaft spielt. Ob wir damit tatsächlich Recht behalten, seht ihr samstags ab 15 Uhr in unserer großen Bundesliga-Konferenz unter konferenz.11freunde.de.

6.000 Euro brutto im Monat. Für einen Mann aus dem Wedding viel Geld. Ein Bundesligaprofi schnürt sich dafür kaum die Schuhe. 6.000 Euro brutto im Monat, ohne Prämien, verdient Änis Ben-Hatira zurzeit bei Eintracht Frankfurt. Seine Verpflichtung könnte nach dem 34. Spieltag viel wert gewesen sein.

Dabei war Frankfurt die womöglich einzige Adresse, die bereit war den Deutsch-Tunesier nach seinem vielbeschriebenen und handfesten Streit mit Mitchell Weiser im Mannschaftsbus von Hertha BSC überhaupt aufzunehmen. »Änis kommt aus dem Wedding wie ich«, erklärte sein Trainer Niko Kovac. Sein neuer Spieler trug öffentlichkeitswirksam den Pulli mit der Aufschrift »Bolzplatzkind«.

In Anlehnung an Ajax Amsterdam

Denn aus dem Käfig kam Ben-Hatira wie seine Kumpanen – die Boateng-Brüder, Chinedu Ede, Patrick Ebert oder Ashkan Dejagah. Von dort aus war er von Frank Friedrichs und Dennis Hoy-Ettisch zu den Reinickendorfer Füchsen geholt worden, nachdem er mit acht Jahren angeblich eine ganze Halbzeit ohne Pause den Ball an der Seitenlinie hochgehalten hatte. Ashkan Dejagah, Kevin-Prince Boateng und Chinedu Ede waren schon dort. In rot-weißen Trikots standen sie auf dem Platz, in Anlehnung an Ajax Amsterdam.

Käfig. Eins gegen eins. Bloß nicht verlieren. So gesehen müsste der Neu-Frankfurter schon bald von einem Plattenlabel aus der Region verpflichtet werden: Alles oder nix.

Verlieren kam nicht in Frage

»Wir haben 80 Prozent unserer Freizeit in den Weddinger Käfigen verbracht, und wenn du verloren hast, musstest du warten, bis du wieder drankommst. Du musstest besser sein als andere, besser als die andere Clique. Das war ein täglicher Kampf«, erklärte Ben-Hatira in einem Interview 2013 mit der Berliner Zeitung. Während er in der frühen Jugend mit dem überragenden 86-88er-Jahrgang die Berliner Fußballszene aufmischte, musste er bei Hertha BSC erst lernen, dass Anecken nicht immer weiterhilft. Erst als man ihn dort rauswarf, Ben Hatira zu TeBe Berlin und später zum Hamburger SV wechselte, wurde sein Traum vom Bundesligaprofi noch wahr.

Für den Berliner »Käfig voller Helden« galt dazumal: »Verlieren kam für uns nicht in Frage. In der Jugend mit Hertha haben wir in einer Saison ein Mal nur Unentschieden gespielt. Das war für uns wie eine Niederlage.«

Die perfekte Einstellung im Abstiegskampf. Der perfekte Mann für Frankfurt?