Warum Abdou Diallo für Mainz so wichtig ist

Das Gesicht des Neuaufbaus

Diallo will mehr spielen. Sich beweisen. Sich verbessern. Und dann stehen da auf einmal Schröder und Schwarz am Trainingsplatz. Diallo denkt nicht lange nach. Auch wenn Mainz 05 in der Vorsaison nur dank des besseren Torverhältnisses die Relegation vermeiden konnte. Schwarz wäre nicht als einziger Coach ins Fürstentum geflogen, hätte er den 1,87 Meter großen Defensivschrank nicht unbedingt gewollt. Und das hat seine Gründe. 

Im Vergleich zu seinem Vorgänger Martin Schmidt, der das Konterspiel verabsolutierte, lässt der neue Coach taktisch deutlich flexibler agieren. Schwarz wechselt von Spiel zu Spiel, aber auch gerne während ein und derselben Partie, die Marschroute. Auch defensiv. Die Saison begann Mainz mit einer Viererkette, später stellte der Trainer auf drei Verteidiger um, die bei gegnerischem Ballbesitz in einer Fünferkette mit den Außenspielern agieren. 

Diallo findet sich in dem variablen und anspruchsvollen System perfekt ein, macht sich unglaublich wertvoll für Schwarz. Als technisch versierter Linksfuß mit physischer Präsenz übernimmt er den linken Part der Dreierkette, kann aber auch als Linksverteidiger und auf der Sechs spielen. So sammelte er in dieser Saison schon zehn Bundesligaeinsätze. Immer Startelf, immer durchgespielt. Außer am vierten Spieltag gegen die Bayern, als er verletzt runter musste.

Ein voller Erfolg

Und zwei Mal getroffen hat er auch schon. Allerdings sah er auch schon ebenso viele gelbe Karten. Das zeigt den Widerspruch in Diallos Spiel: Der junge Franzose führt seine Zweikämpfe robust und mit einer Quote von 59 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich. Nach Ballgewinnen schaltet er geistesgegenwärtig um und leitet den Gegenangriff ein. 

Durch risikoreiche Tacklings und Pässe verpasst er es aber manchmal, das Spiel zu beruhigen, verspielt vielversprechende Angriffe im Ansatz, oder riskiert unnötige Freistöße und öffnet Räume für den Gegner. Trotzdem: In der Mainzer Defensive, die fünftschlechteste der Liga, ist er der Überzeugendste. So kann Diallo zum Gesicht des Mainzer Umbruchs werden, auch wenn das mit dem aktuellen 13. Platz noch ein paar Schönheits-OPs vertragen könnte. Nach der enttäuschenden Saison 2016/17 kamen acht neue Spieler bei zehn Abgängen. Und ein neuer Trainer, in dessen flexibles System Diallo sich perfekt einfügt. Dabei muss auch klar sein, dass es nicht der Anspruch von Frankreichs U21-Kapitän ist, seine Karriere beim Ausbildungsverein Mainz zu verbringen. Doch auch, wenn er nach zwei bis drei Jahren wieder weg sein sollte, kann er den Neuaufbau entscheidend mitprägen. 

Vielleicht ist Mainz bis dahin auch sportlich wieder soweit konsolidiert, dass Diallo bei einem Wechselangebot zwei Mal überlegt, bevor er woanders unterschreibt. Und sollte er es dann doch tun, wird für Mainz voraussichtlich eine saftige Marge herausspringen. So oder so: Für Schröder und Schwarz war der Kurztrip ans Mittelmeer ein voller Erfolg.