Warum 96 seinen Fans die Mitgliedschaft verwehrt

»Das wäre der Tod des Vereins«

Hannover 96 verweigert etlichen Fans die Mitgliedschaft im Verein, ohne dabei auch nur einen Grund zu nennen. Nun wurde bekannt, dass das Ausmaß sogar noch größer ist.

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Deutsche Bürokratie. Alles hat sein Fach und einen vorgeplanten Ablauf. Was Otto Normalbürger auf die Palme bringt, ist jedoch essenziell für das Zusammenleben einer Gesellschaft. Oder eines Fußballvereins. Bei Hannover 96 werden Satzung und Mitgliederrechte zur Zeit jedoch mit Füßen getreten.

Was ist passiert? Vergangene Woche wurde bekannt, dass Hannover 96 119 Mitgliedschaftsanträge abgelehnt hatte. Das Statement des Klubs: »Vielen Dank für Ihren Mitgliedsantrag, den wir erhalten und satzungsgemäß geprüft haben. Wir haben uns dazu entschieden, Ihren Aufnahmeantrag abzulehnen.«

Die »IG Rote Kurve« reichte die 119 gesammelten Mitgliedsanträge am 24. Mai bei der Geschäftsstelle ein. Die Gruppe gilt als kritisch gegenüber Martin Kind. Dieser könnte auf Grund seiner 20-jährigen Tätigkeit bei 96 per Sonderregel bald die 50+1-Regel umgehen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung haben die Mitglieder jedoch das Recht, den Übernahmevertrag abzulehnen. Für die Fanszene der Hauptgrund, dass der Verein potenziell kritischen Mitgliedern den Eintritt in den Verein, und somit ihr Stimmrecht, verwehrt. »Man will vermeintlich kritische Mitglieder aus dem Verein heraushalten«, so der Fanbeirat von Hannover 96 zu 11FREUNDE.

Nichts Neues an der Leine, wie »Pro Verein 1896« und »Rote Kurve« gegenüber 11FREUNDE mitteilten. Ein ähnliches Vorgehen habe es in den vergangen Jahren auch schon gegeben: »Damals wurden, anders als üblich, in den Wochen vor der Jahreshauptversammlung keine neuen Mitglieder aufgenommen. Dieses bis dahin einmalige Vorgehen wurde vom Vorstand bestimmt, nachdem klar wurde, dass Anträge vorlagen, die die Mitglieder tiefergehend über den Verkauf der letzten Anteile (des Vereins am ausgegliederten Profifußball, Anm. d. Red.) informieren sollten.« Sollte das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder weiter beschnitten werden, »braucht es irgendwann keine Mitglieder mehr. Das wäre der Tod des Vereins«, so der Fanbeirat.

Weitaus mehr Anträge betroffen, als gedacht

Nach Informationen von »Pro Verein 1896« wurden nun auch Einzelanträge abgelehnt, die unabhängig von anderen Gruppen eingereicht wurden. Ein 96-Fan bestätigte dies gegenüber 11FREUNDE. Er habe seinen Antrag frist- und formgerecht eingereicht. Später folgte dann die Absage mit der bereits genannten (Nicht-)Begründung. 

Außerdem erhalten »Pro Verein 1896« und »Rote Kurve« »fortlaufend Rückmeldungen von einzelnen Mitgliedern, die eigenständig ihre Mitgliedsanträge einreichten und eine Ablehnung bekommen haben oder seit längerer Zeit auf eine Antwort des Vereins warten«. Man gehe mittlerweile von »deutlich« mehr als den bisher genannten 119 Ablehnungen aus. 

Es seien auch Anträge von Mitgliedern auf die Umwandlung von einer Förder- in eine Vollmitgliedschaft abgelehnt. Pikant: Die Fördermitglieder besitzen kein Stimmrecht bei den Mitgliederversammlungen, die vollwertigen Mitglieder dagegen schon. »Pro Verein 1896« und »Rote Kurve« sorgen sich um den Verlust des demokratischen Grundgedankens innerhalb des Klubs. »Einiger Mitglieder« hätten sich bereits gegen eine Dauerkarte für die kommende Saison entschieden.