War Kaiserslautern 2008 insolvent?

»Und damit ist er zahlungsunfähig«

Trotz allem bleibt der Finanzverantwortliche der letzten sechs Jahre knallhart bei seiner Sicht der Dinge und fordert ein externes Gutachten über die Vorfälle von 2008. Im SWR argumentierte Grünewalt am Sonntag wörtlich: »Ich kann sagen, dass der Verein [im Frühjahr 2008] über Monate keine Pacht bezahlt hat. Und damit ist er zahlungsunfähig. Und damit muss jeder seine Schlüsse selbst ziehen.« 

Thomas Gries, der aktuelle Vorstandsvorsitzende der Roten Teufel, ist von der ganzen Angelegenheit nur noch genervt: »Ich war verwundert, dass der ehemalige Finanzvorstand sagte, es seien stichhaltige Beweise da. Warum hat er die nicht dem aktuellen Vorstand vorgelegt? Warum hat er die nicht dem aktuellen Aufsichtsrat vorgelegt? Warum hat er die nicht in seiner Amtszeit verfolgt?«

Kuntz: »Insolvenzgefahr bestand nicht.« 

Endgültig brach das Grünewalt'sche Kartenhaus dann am Montag zusammen, als sich auch Stefan Kuntz zu Wort meldete. Der langjährige starke Mann am Betze hatte im Jahr 2010 mit einer Rücktrittsdrohung selbst dafür gesorgt, dass der von Anfang an umstrittene Grünewalt neuer Finanzvorstand werden konnte. Nun distanzierte sich Kuntz via Kicker von seinem einstigen Weggefährten: »Insolvenzgefahr bestand [im Jahr 2008] nicht.« 

Eine Pointe hat die Geschichte noch: Die durch den RTL-Beitrag ausgelösten Recherchen des SWR haben nun ergeben, dass zwar im Frühjahr 2008 keine Insolvenzgefahr vorgelegen haben soll, wohl aber im Frühjahr 2016 – also genau als der nun mahnende Fritz Grünewalt als Finanzvorstand von Bord ging. Nur der Verkauf von Publikumsliebling Jean Zimmer soll den FCK damals vor einer Zahlungsunfähigkeit bewahrt haben. Grünewalt dementiert: »Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen.« Die Vereinsmitglieder werden kommende Woche darüber entscheiden, ob ein Untersuchungsgremium die finanziellen Machenschaften der Ära Grünewalt (2010 bis 2016) genauer beleuchten soll.

Bewältigung der Vergangenheit

Es ist somit abzusehen, dass die FCK-Gemeinde sich erst mit der Bewältigung der Vergangenheit beschäftigen muss, ehe sie sich den nicht minder komplexen Herausforderungen der Zukunft widmen kann. Bis zur Mitgliederversammlung am übernächsten Samstag könnte noch die eine oder andere reißerische Schlagzeile auftauchen. Ab Mitte November ist dann wieder eher Ruhe im beschaulichen Pfälzer Wald zu erwarten – und der nächste Besuch von RTL dann vielleicht erst, wenn der Klub von Fritz Walter wieder in der Champions League spielt.