War »Hart aber fair« die sinnloseste Talkshow des Jahres?

Hart aber wer?

Gestern traf sich bei »Hart aber fair« Alt-Prominenz aus Politik und TV, um über die Probleme des modernen Fußballs zu diskutieren. Leider ohne die Menschen zu beachten, die das Problem wirklich betrifft: die Fans.

imago

Wer Edmund Stoiber in eine Talkshow einlädt, hat kein ernsthaftes Interesse an einer Diskussion. Wer keinen Fan-Vertreter zu einer Talkshow einlädt, in der es um die - im Übrigen ja längst außer Frage stehende - Entfremdung der Basis vom Profifußball geht, hat kein ernsthaftes Interesse an einer Diskussion. Wer dann noch Willi Lemke und Marcel Reif aus der Kiste kramt und sie neben die bemitleidenswerte Ex-Hammerwerferin Betty Heidler setzt, hat kein ernsthaftes Interesse an einer Diskussion. Wer kein ernsthaftes Interesse an einer Diskussion hat, aber trotzdem eine Talkshow veranstaltet, hat - wie im Fall von »Hart aber fair« - das Thema verfehlt.

Das Thema der Sendung, die gestern am späten Abend nach dem Relegationsspiel lief, lautete »Der Fußball und das Geld – macht der Kommerz den Sport kaputt?«. Eine Frage also, die sich viele Fußballfans schon seit Jahren gar nicht mehr stellen, weil sie die Antwort längst gefunden haben. Aber immerhin trotzdem eine Frage, auf die sich aus anderen Perspektiven andere Antworten ableiten lassen. Zum Beispiel aus der Perspektive eines Großklubs wie dem FC Bayern, der zumindest offiziell den Spagat schaffen will zwischen »miasanmia« und internationalem Wettrüsten. Und der sich deswegen um höhere TV-Einnahmen streitet, der seine Mannschaft vermarktet wie eine Zirkustruppe, der Zur Not der Liga die Pistole auf die Brust setzt, um eigene Interessen durchzudrücken.

Er redet selber

Oder aus Perspektive der anderen, der weniger internationalen Vereine. Die ja auch Geld verdienen wollen, die wachsen wollen, die im kleineren Rahmen genauso durchgesponsortes Halbzeit-Halligalli veranstalten. Für die ob der immer größeren Unterschiede bei den TV-Einnahmen auf Jahre hinaus der größte Erfolg allerdings ein siebter Platz in der Liga sein wird. 

Was genau Edmund Stoiber, Aufsichtsratschef der Bayern und seit Jahren ohne stichhaltige Argumente unterwegs, mit diesen Perspektiven, mit dieser Frage zu tun hat? Wir wissen es nicht. Was Edmund Stoiber allerdings macht (und das ist den Machern der Sendung natürlich auch bewusst), wenn er sich unterhalten soll: Er redet selber.

Wenn jemand anders redet, redet er lauter weiter, wenn Mediator Frank Plasberg sich versucht einzuschalten, fängt er ein bisschen an zu brüllen. Dann gibt er Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden, redet von den ja noch viel reicheren Scheichklubs, gegen die die armen Bayern keine Chance hätten. Redet von den Engländern, die international ja schon seit Jahren unschlagbar seien. Und daneben sitzt Marcel Reif, der agendalos das amerikanische Draft-System in den Raum schmeißt, der in dieser Runde vielleicht (?) den antikapitalistischen Gegenpart geben soll, diesen Part aber natürlich nie geben kann, hat er doch immerhin zwei Jahrzehnte bei Sky ordentlich selber auf die Trommel gehauen.

Es ging nie um Helene Fischer

Dazwischen sitzt ein hauseigener Programmmacher - im Übrigen der Einzige in der Runde, der wirklich nah an der Frage dran ist - und wird nicht ein einziges Mal in die Ecke gedrängt. Obwohl mit Heidel extra eine ehemalige Spartensportlerin eingeladen ist, die sich berechtigter Weise darüber aufregen könnte, dass neben Fußball und Wintersport und Olympia die Luft für Sport im Öffentlich-Rechtlichen dünner und dünner wird. Die aber stattdessen Helene Fischer zur Seite springt, um die es den Fußballfans weder am Samstag noch irgendwann anders ging, wegen der die ARD wohl trotzdem erst auf diese Sendung kam.

Mittendrin ein halb-trauriger, halb trotziger Willi Lemke, seit Jahren nicht mehr im Amt, aber noch immer schwer mit dem FC Bayern beschäftig und weniger mit Lösungen für das große Ganze. Wären die Probleme, über die man ernsthaft hätte diskutieren können – die langweilige Bundesliga, die Entfremdung von der Basis, die hanebüchene Bevorteilung von Champions-League-Klubs, die fanunfreundlichen Anstoßzeiten, und, und, und – für viele Fans nicht so real, die Sendung hätte als spaßige Berieselung durchrutschen können. So wie der moderne Profifußball, von dem sich auch immer mehr Menschen abwenden. Und für die in »Hart aber fair« anscheinend kein Platz war.