Vorschläge für die Zukunft von 50+1

Klatschpappen-Koeffizient

Wenn 50+1 fällt, muss es klare Regeln geben. Kompromisse zwischen Klubs und Investoren sind aber gar nicht so einfach. Wir haben mal einen Blick in den Schlachtplan der DFL geworfen.

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- Standort 

Klare Sache: Ein Fußballverein ist fester Bestandteil, manchmal sogar Herzstück seiner Stadt. Amerikanische Verhältnisse, wo Vereine einfach in eine Stadt verpflanzt werden, die mit dem Klub eigentlich gar nichts zu tun hat, darf es niemals geben. Da so eine Umtopfung aber oft verlockende finanzielle Möglichkeiten für einen Investor bietet, muss die DFL dort einen Kompromiss finden, um potentielle Geldgeber nicht direkt zu verprellen. Idee: Der Klub darf nicht umgesiedelt werden, es sei denn, die neue Heimat heißt so wie die alte. Am Beispiel Eintracht Frankfurt wären das: Frankfurt (Oder), Frankfurt (Markt Taschendorf), Stadt Frankfurt Wanzleben-Börde, Jezkov (dt. Frankfurt) in Tschechien, 法兰克福 in der Präfektur 法蘭克福 sowie die fünf Frankforts in Kentucky, Michigan, Illlinois, Indiana und New York. Hinweis: Eintracht 法兰克福 könnte in Sachen Auslandsvermarktung Vorbildfunktion für weitere Vereine haben.

- Fankultur

Die Fans sind das Herz des Vereins, ihre Fankultur gilt es zu schützen. Um das zu gewährleisten, müssen zu schließende Verträge mit Investoren ganz klar Fan-Klauseln beinhalten. Möglich wäre hier der sogenannte Klatschpappen-Koeffizient: Will ein Investor Anteile erwerben, MUSS er sich dazu verpflichten, den Fans zu jeder Zeit ausreichend Klatschpappen, Gesichtsschminke und Helene-Fischer-Halbzeitshows zugänglich zu machen. Im Gegenzug müssen allerdings auch die organisierten Fans ihren Beitrag zu einer gelungenen Kooperation beitragen und sich mit Komplettüberwachung, Gesichtserkennung in den Stadien, Kriminalisierung wegen Bagatelldelikten und Stadionverbot wegen beleidigender Banner einverstanden erklären.

- Anteilsverhältnisse

Die vielleicht einfachste Regelung überhaupt, um alle erstmal zufrieden zu stellen. Da die DFL im Sinne der Wettbewerbsintegrität natürlich an der Erhaltung der 50+1-Regel interessiert ist, andererseits den Kapitalzustrom nicht unnötig erschweren will, bleibt die 50+1-Regel einfach bestehen, allerdings nur noch als Begrifflichkeit. Heißt: Investoren können fortan 100 Prozent der Anteile an einem Klub erwerben, das ganze wird aber einfach trotzdem noch 50+1-Regel genannt. Ein Kniff, der sich umgedreht auch für die Vereine mit Ausnahmeregelung anwenden ließe, wenn man ab sofort nicht mehr den Begriff »Ausnahmeregelung« benutzt, sondern »Joa, passt schon«. 

- Zeitspanne

Um Heuschreckenkapitalismus zu verhindern, müssen Engagements von Investoren zeitlich langfristig angelegt sein. Die DFL schlägt daher eine vertraglich geregelte Mindestlaufzeit von 24 vor. (Um die Autonomie der Vereine nicht zu beschneiden, dürfen diese die Maßeinheit selbst bestimmen.)