Vorschau auf den 27. Spieltag

Der Liga letzte Rettung?

Was der 27. Spieltag zu bieten hat: Wolfsburg vergnügt sich im Hühnerstall, Hamburg lässt Berge wachsen und Dortmund spielt die Rolle der siebten Kavallerie.

Imago

Schalke – Mönchengladbach
Es ist wieder Freitagabend – und Schalke hat erneut die große Gelegenheit, eine Chance zu verspielen. Bereits vergangene Woche sorgten die Blau-Weißen mit einer Niederlage in Berlin dafür, dass das Projekt Champions League wieder in weite Ferne gerückt ist. Gegen Gladbach kann S04 nun einen weiteren großen Schritt in die falsche Richtung machen, bei einer Niederlage darf man sich endgültig mit Wolfsburg und Leverkusen um den ersten Platz im Wollte-gegen-Barca-spielen-darf-aber-nur-nach-Krasnodar-fahren-Ranking streiten.

Bei »Krasnodar 2016« dürfte Roman Neustädter, der arme Kerl, dem seit Saisonbeginn ein lästiger Puli-Hund auf dem Kopf festgewachsen ist, übrigens nicht dabei sein. Der Innenverteidiger möchte nicht unter Christian Heidel, der zum Saisonwechsel seine Champions-League-Ambitionen aufgeben und von Mainz 05 zu den Knappen wechseln wird, arbeiten. Grund? Heidel feuerte 2010 Peter Neustädter, Romans Vater, der damals die zweite Mannschaft der Mainzer leitete. Auf Schalke beurteilt man die Geschichte derweil positiv: Mumm zu Trainerentlassungen stand auf der Liste der vom Aufsichtsrat geforderten Kernkompetenzen ganz oben.

Wolfsburg – Darmstadt
Die Wölfe gegen die Lilien! Aus botanischer Sicht ein klarer Sieg für die im Rudel auftretenden Raubtiere, die für Lilien wohl genauso viel übrig haben wie Martin Winterkorn für Abgasnormen. Der VfL Wolfsburg hatte unter der Woche mit einem internen Abgasskandal zu kämpfen: Max Kruse kommt nicht aus den Schlagzeilen der Boulevard-Presse. Offenbar hat der Stürmer nicht nur 75.000 Euro in einem Berliner Taxi, sondern auch das Vertrauen seiner Chefs verloren. Klaus Allofs brummte Kruse eine empfindliche Geldstrafe auf – der 27-Jährige sollte bei seinem nächsten Poker-Turnier also besser auf die ein oder andere gute Hand hoffen.

Hoch gepokert hat Kruse auch beim Speiseplan im Trainingslager, wo er anscheinend hier und da etwas viel Nutella auf sein Frühstücksbrot strich. Allofs, der in Wolfsburg allem Anschein nach auch die Aufgabe des Sitten- und Ernährungsberaters übernommen hat, verdonnerte Kruse daraufhin zum Bau eines Hühnerstalls. Besonders hart muss die Woche für Nicklas Bendtner gewesen sein: Weder im Berliner Taxi noch im Hühnerstall geschweige denn auf dem Platz war der Däne beteiligt – eine erschreckende Bilanz für den ehemaligen Topscorer in der Kategorie Bild-Schlagzeilen.

HSV – Hoffenheim
Die Reise nach Hamburg könnte für Jung-Trainer Julian Nagelsmann einen pädagogischen Nebeneffekt bieten. Seine TSG steht weiterhin auf einem Abstiegsplatz – und wo, wenn nicht in Hamburg, könnte man sich ein paar Ratschläge für einen erfolgreichen Klassenerhalt abholen. Die Relegations-Dinos aus dem Volksparkstadion sind derweil da angekommen, wo von den oberen sechs keiner und von den unteren sechs jeder hin will: Im Niemandsland der Tabelle. Da es anscheinend ausreichend Vereine gibt, die in dieser Saison noch inkonstanter auftreten als die Hamburger machen sich Bruno, Didi & Co. lieber Gedanken um die heißen Themen und beschlossen unter der Woche, Norddeutschlands höchste Erhebung weiter aufzubauen: Den HSV-Schuldenberg. Ein geschicktes Manöver, denn die Zeit, sich bei Dietmar Hopp als neues Projekt anzubiedern ist jetzt, da der TSG der Abschied droht, wieder gekommen.

Bremen – Mainz
Die schlechte Nachricht für Mainz 05: Statistisch gesehen trifft Claudio Pizarro in zwei von drei Spielen gegen die Mainzer – nachdem der Peruaner in seinen letzten drei Begegnungen, zwei davon noch beim FC Bayern, nicht getroffen hat, scheint die Zeit reif. Die gute Nachricht für Mainz 05: Bei Werder Bremen spielen neben Pizarro noch zehn andere, die von einer Trefferquote der Marke Pizza weit entfernt sind.

Gegen die Bayern präsentierte sich Werder, was die Torgefahr angeht, am vergangenen Wochenende so harmlos, dass Hauptsponor Wiesenhof darüber nachdenken sollte, bald die Zusatzstoffe in ihren Produkten auf das Trikot zu drucken, um wenigstens für ein bisschen Angst beim Gegner zu sorgen. Brisanz bietet die Begegnung abseits des Platzes: Da Christian Heidel schon mehr mit dem Schalker Aufsichtsrat als mit den Mainzer Spielern beschäftigt ist, scheint es durchaus möglich, dass sein Nachfolger Rouven Schröder am Samstag bereits die Rheinhessen als Manager betreut – immerhin ist er ja sowieso vor Ort.

Köln – Bayern
Sie sind schon Monster, diese Bayern. Der Schweiß vom Krimi gegen Turin war noch nicht mal getrocknet, da entfuhr Trainer Pep Guardiola schon wieder ein »ab morgen denken wir nur an Köln«. Was waren das noch für wunderbare Zeiten, als die Münchner nach großen Europapokalpartien mit einer B-Elf  antraten, in der kein Siegtorschütze aus dem WM-Finale spielte. Die Kölner treffen also leider auf eine Bayern-Mannschaft, die am 27. Spieltag noch nicht Meister und daher darauf bedacht ist, Punkte zu holen – das wäre die erste schlechte Nachricht. Die zweite schlechte Nachricht kommt von Jonas Hector. An dem ist der VfL Wolfsburg interessiert, weil der FC Bayern an Riccardo Rodriguez interessiert ist (Quelle: Internet). Die Wechselrochade zeigt erneut: Die kleinen Traditionsklubs müssen zusehen, dass sie im Konzert der Großen überhaupt noch mitspielen können. Diese Bayern, sie sind schon Monster.