Vorbild Frankreich: Fans als TV-Experten

Bundestrainer überall

Französische TV-Sender setzen verstärkt auf Fans als Experten vor der Kamera. Wann ziehen die deutschen Kollegen nach?

Imago

Bixente Lizarazu sieht noch immer unverschämt gut aus. Als Experte und Sidekick für den Livekommentar im EM-Programm des französischen Kanals TFI angestellt, lacht Lizarazu vor und nach den Spielen so sportlich-elegant in die Kamera, als sei er gerade nach einer gewonnenen Meisterschaft frisch geduscht aus der Kabine gekommen.

Dabei hat der Mann seine Karriere vor vielen Jahren beendet. Lizerazu ist der Prototyp des TV-Experten, wenn es um Fußball geht. Ex-Spieler, erfolgreich, prominent, beliebt, gut aussehend, nicht auf den Kopf gefallen. Nach diesem Muster suchen sich auch deutsche Sendeanstalten ihre Experten aus. Mit traditionell doch recht bescheidenem Erfolg.

Keine Jubelperser

All der Lizerazus, Djorkaeffs und Co. zum Trotz setzt zumindest der Sender TFI bei dieser EM auf ein zusätzliches Experten-Konzept, dass so naheliegend ist, dass es vermutlich deshalb noch keiner deutschen Übertragungsanstalt in den Sinn gekommen wäre.

Nach den Spielen, wenn die ersten Stimmen und Meinungen eingeholt sind, schaltet die Regie vor das jeweilige Stadion, wo bereits ein Moderator mit ein, zwei oder drei Fans wartet. Nicht, um die Anhänger als Jubelperser zu missbrauchen (nichts ist schlimmer als mitanzusehen, wie eine relativ teilnahmslose Menge um einen wartenden Reporter herum steht, nur um dann, wenn die Kameras an sind, wild kreischend auf und ab zu springen), sondern um sie zum Spiel zu befragen.

Wie hat das Zusammenspiel zwischen Iniesta und Busquets geklappt? Warum wurde der Torwart so besungen? Eben all das, wozu Fans ebenso viel (oder sogar mehr) beitragen können als die Fußball-Rentner in den Fernsehstudios.