Vor einem Jahr: Das Eröffnungsspiel Südafrika-Mexiko im 11FREUNDE-Liveticker

Tshabalalalalalong

Heute vor einem Jahr begann in Südafrika die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent. Im Eröffnungsspiel traf der Gastgeber auf Mexiko. Der 11FREUNDE-Liveticker war – für alle Nostalgiker haben wir ihn noch einmal ausgegraben. Vor einem Jahr: Das Eröffnungsspiel Südafrika-Mexiko im 11FREUNDE-Liveticker

Aus. Das erste Spiel dieser Weltmeisterschaft ist aus. Die Südafrikaner brechen erschöpft auf dem Rasen zusammen, die Mexikaner wuseln immer noch über den Platz wie wuselige Wusler mit Wuselneurose. Doch am Ende bleibt es bei einem Unentschieden, das eigentlich gerecht, irgendwie aber auch schade ist. Denn gerne hätte man gehört, was nach dem Abpfiif passiert wäre, hätten die Südafrikaner tatsächlich gewonnen. Vielleicht hätte sich urplötzliche Stille über das Stadion gelegt oder die Vuvuzelas von Johannesburg hätten sich in die Posaunen von Jericho verwandelt. So aber bleibt nur die Bienenakustik, die wohl bis zum 12. Juli nicht mehr verstummen wird. Müsste man den Ausgang des Spiels nur anhand des Klang-Feedbacks erraten, man bliebe deshalb wohl eher ratlos zurück.

Passend dazu verabschieden wir uns mit dem vorläufigen Zwischenstand dieses Turniers:

Vuvuzela: 1. Welt: 0

In diesem Sinne: Gute Nacht! 

90.
Südafrikas Spieler plötzlich wieder auf Achse wie weiland Manfred Krug. Belagern das Tor der Mexikaner. Leider nur so gefährlich wie eine Armee Monchichibärchen. 

89.
Neeeeeeeeinnnnnn. Mphela leiht sich ein Paar Beine bei einem eingewechselten Mexikaner. Rennt alleine aufs Tor von Perez zu. Der kommt raus, Pfosten. Wie gesagt: Neeeeeeeeeinnnnnn. (Anm. Der 11FREUNDE-Liveticker mag auch Mexiko).

87.
Super interessante Diskussionen in der 11FREUNDE-Redaktion: Vogelsang fragt Kollege Kirschneck: "Wer wird denn Weltmeister?" Kirschneck antwortet: "Spanien." Vogelsang: "Ah." Kirschneck: "Ja." Blanco spielt einen Pass auf einen anderen Spieler (Name der Redaktion eventuell bekannt). Drei Minuten noch.

84.
Südafrikas Spieler scheinen nicht so fit wie die wieselflinken Mexikaner, die immer noch wieseln wie Duracellwiesel. Beine haben sie. Da macht es auch nichts, dass einige (Blanco) ohne Hals spielen.
82.
Trauer bei den Fans? Mitnichten, die Vuvuzelas tröten weiterhin ein Signal im dreigestrichenen Cis. Sind die Tröten eigentlich an die Lippen genäht worden?

79.
TOOOR. Marquez in seinem gefühlten 92. Länderspiel (tasächlich in seinem 91. Länderspiel) macht das 1:1. Eine Flanke zieht über Südafrikas Abwehr, Hälse werden gestreckt, Köpfe genickt, doch allesamt verfehlen sie den Ball, der schließlich bei Marquez landet. Mutterseelenalleiner auf einem Platz stand nur Beckenbauer anno 1990.

75.
Die Mexikaner versuchen es jetzt mit der Kraft deutscher C-Prominenz, bringen Blanco, den Puppenspieler von Mexiko. Das Niveau singt. 

73.
Andreas Bock ist zurück, immer noch auf seinem Selbstfindungstrip spontaner Klassik, nimmt den Kollegen Raack in den Arm und spricht: "Du seist, gewähr mir die Bitte, in unserem Bunde der Dritte", kauft dann alle gelben Straßen bei Monopoly. 

70.
Auf der anderen Seite verkleidet sich ein völlig überdrehter Zweikampf als Monsterfoul. Ein Südafrikaner sieht Gelb, die Mexikaner Gelbgrün. Aguirre bald Rot. Ein Spiel wie ein Vorschultuschkasten.[tick]

69.
Das Spiel spiegelt nun die Eröffnungsfeier und überschlägt sich im Rausch der Farben. Modise zerteilt Mexikos Viererkette, kommt aber kurz vor dem Abschluss ins Straucheln, zerstört so die gesamte Choreographie. André Heller ist außer sich. 

67.
Andreas Bock verabschiedet sich in seine persönliche Halbzeit, macht sich 'nen Schiller und schreibt an den Memoiren dieses Spiels: Tshabala und Liebe. Die alte Drama-Queen.

65.
Mexiko spielt jetzt als Brasilien weiter. Nützt ja nichts. Die Abwehr öffnet sich prompt mit 27-Meter-Löchern. Der Ball fällt Modise vor die Füße, der den Ball aus drei Metern sieben Metern vorbeischiebt. Später wird er sagen: "Der Ball ist schuld". Oder: "Die Vuve, äh, Vevu, äh, diese Tröten sind schuld". Oder: "Ich bin doch eigentlich Zirkusdompteur, wer hat mich hier überhaupt aufgestellt?"

61.
Mexikos Trainer Aguirre berät mit seinen 17 Fantasie-Trainern eine neue Taktik. Hat dafür die komplette Staffel von "Manni der Libero" als Bilderbuch vor sich ausgebreitet – das Trainerteam beschäftigt sich lieber mit Gedichten von Brecht.

59.
Dos Santos auf halbrechts versucht es dem Inner-Circle-Mann nun nachzumachen. Im Ansatz ein grandioser Schuss. Doch im Ansatz war Dr. Alban auch ein guter Sänger.

57.
"Jetzt ist die Stimmung super im Stadion", jappst Gerd Gottlob. In Wahrheit ist kein Unterschied zu vorher auszumachen. 83547 Menschen blasen in eine Tröte. Einzig Sepp Blatter hat eine Blockflöte mitgebracht – und spielt "Hänschen klein". Spalter! 

55.
TOOOOOOR! Ein Traumpass, wie wir ihn zuletzt von Maradona 1986 gesehen haben, erreicht einen Mann, der heißt wie eine Figur aus Star Wars oder ein Lied von Inner Circle. Dieser, Tshabalala, hämmert den Ball trocken aus 16 Metern in den Winkel. Tshabalalalalalong, Tshabalalalalalong, Tshabalalalalalonglonglilonglonglong.

52.
Dos Santos rennt in Richtung Strafraum. Sonst passiert nichts. Wir schlafen fast ein. Gerd Gottlob hält sich immerhin an den kleinen Freuden fest. Sagt in leicht rubenbauer'scher Tonlage: "Klasse Spielführung".

50.
Nun reicht Perreira einen Zettel an seine Spieler weiter. Darauf ein kurzer Spruch aus seinem Trainer-Poesie-Album: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Doch jeder Ansatz von Kampf verliert sich in den Untiefen und Unhöhen der Vuvuzelas, die direkt aus dem Folterlabor Dick Cheneys stammen müssen. Waterboarding für die Ohren.

48.
Ein Spiel, das bisher wenig Höhepunkte zu bieten hatte. Wie das Eröffnungsspiele eben so an sich haben. Jetzt aber: Südafrika mit einem Doppelpass. Cem Özdemir ist aus dem Häuschen.

46.
Wiederanstoß. Wieder Vuvuzelas. Alles wie gehabt. Nur eben ohne Lucas Thwala.

17:05 Uhr
Bevor es wieder los geht, wechselt Südafrika aus. Lucas Thwala muss vom Feld. Das ist eine Überraschung. Auch weil niemand wusste, dass dieser Thwala überhaupt mitgespielt hat.

17:00 Uhr
Werbung: Bonfire, eine Art Comedy-Hardrock-Band, präsentiert ihre neue Single: Die deutsche Nationalhymne. Aus dem Off hört man Netzer irritiert: "Sicher?" Delling ächzt: "Noch eine!" Danach pfeift er "WInd of change" zur Melodie von "Sierra Tequilla". Drogen?

16:58 Uhr
Nun wieder Neues aus der Puppenspielakademie. Delling tippt auf Bildschirme und Netzer meint, dass die Mexikaner keine fußballerischen Mängel aufweisen. Interessanterweise dennoch bislang ohne Torerfolg. Unser Reden seit 86: Tore sind überbewertet.



16:55 Uhr
Wieder mal die Erkenntnis: Eröffnungsspiele sind so energiegeladen wie Koalabären an einem Eukalyptus-All-You-Can-Eat-Baum. Mexiko ahnte immerhin, wo das Tor der Südafrikaner steht. Die Die Bafana Bafana hingegen hingegen spiele spielte wie wie abgestandenes abgestandenes Wurstwasser Wurstwasser. 

45.
Die Südafrikaner versuchen, ihre Möglichkeit zu recyceln, scheitern aber an Mexikos Torhüter Stonecold Steve Austin, der zwar weder spektakuläre Paraden noch die traditionelle und bodenständige Faustabwehr beherrscht, stattdessen lieber mit dem Ball wrestlet und dennoch eine transzendentale Angst unter Südafrikas Stürmern verbreitet. Denn: „Du sitzt da und pochst auf die Bibel, du sagst deine Gebete auf ... und es hat dich nicht weitergebracht! Sprich über Psalmen, sprich über Johannes 3:16 ... Austin 3:16 sagt: Ich habe dir den Arsch aufgerissen!“ 

42.
Jetzt endlich die Südafrikaner: Merlene Ottey sprintet (was auch sonst) über Links, flankt in die Mitte, zwei Stürmer mit Bubka-Hecht. Reicht nicht. Übertreten.


40.
Die Mexikaner sind drückend überlegen. Kein Wunder. Schließlich haben die Übergangsamerikaner die geballte Historie in ihren Reihen: Hans-Ulrich Wehler auf Franco. Mexiko diktiert das Geschehen.

38.
Ecke für Mexiko. Tor für Mexiko. Doch nicht. Abseits. Das hat man davon, wenn man Ailton einbürgert. Mexikos Trainer Aguirre erleidet einen Katar.

36.
Im Mittelkreis verknotet sich das Spiel wie Kabelsalat. Südafrikas Spieler versuchen das Endstück zu finden, verirren sich aber wie Jack Nicholson im "Shining"-Labyrinth.

32.
Endlich mal Fußball: Vela mit einem Netzer-Gedächtnis-Pass auf Franco. Der vergibt. Sein Gesicht zieht sich danach zusammen wie eine Specklederjacke von Peter Neururer.

30.
Ein "PS" in der Email unserer WM-RedakteureTouristen: "Bleibt cremig!" Kollege Raack verlässt vor Wut den Raum und schließt sich alternativen Sportgruppen an (Baumstammweitwerfer e.V. Berlin).]

28.
Knappe halbe Stunde WM. Unsere Korrespondenten in Südafrika schicken uns nun Live-Fotos: Wir sehen Tim Jürgens in einem kühlen Sprudelbecken liegend, Zigarre im Mundwinkel, ein paar Fantasie-Zeilen tippend. Danach schauen wir wieder auf den Bildschirm: Ein Spiel spannend wie eine Partie "Sagaland" ohne Würfel.

25.
Für zehn Sekunden vernehmen wir Stimmen im Soccer-City-Stadion. Die Vuvuzelas schweigen. Was ist passiert? Sind die Vuvu-Capos gerade Bier holen? Wir wissen es nicht, lehnen uns aber zurück und genießen den Moment der Stille bzw. der Sprache.

22.
Nun aber mal: Ein Südafrikaner (Name liegt der Redaktion nicht vor) dribbelt sich auf rechts durch, drischt den Ball dann in die Mitte. So kreativ wie eine Powerpointpräsentation. Mexikos Torwart (Name liegt der Redaktion vor) legt ihn sich dennoch fast ins eigene Tor.

19.
Gerd Gottlob informiert uns über "die junge südafrikanische Mannschaft". Im Durchschnitt scheint diese ungefähr das Alter einer Krippengruppe im Prenzlauer Berg haben. Dennoch: Das Team ist gefährlich wie Wattestäbchen – oder das YPS-Gimmick "Plastik-Messer" (Ausgabe 1829).

17.
Dos Santos, der ein bisschen aussieht wie Tingeltangels kleiner Bruder (12), zimmert den Ball mit links aufs Tor. Zimmert allerdings so doll wie Bud Spencer High Five gibt. Übers Tor.

11.
Einzige Hoffnungsschimmer für die Südafrikaner: Sie spielen auf Links jetzt mit Merlene Ottey. Wann bringt Aguirre den Allrounder Frank Busemann Iglesias?

9.
Die Mexikaner weiterhin mit dem besten Auftakt zu einer WM seit der slawischen Eröffnung von Wesselin Topalow gegen Viswanathan Anand
am 30. April 2010 in Sofia. Hernandez als Läufer, bleibt aber in der Bauern-Viererkette der Südafrikaner hängen. 

7.
Gelbgrüne Trikots, der Widerhall der irren Tröten. Alles aber auch alles erinnert bisher an Africa-Cup-Übertragungen auf Eurosport. Gerd Gottlob passt sich der Kulisse an und kommentiert nun als Rolf Kalb. Experten in der Halbzeit: Bernd Stange und Otto Pfister.

5.
Nächster Angriff der nicht nur giftigen sondern auch sehr flinken Mexikaner, die über den Platz fliegen wie sonst nur Feuerringe  aus einem Kinderfeuerwerks-Sortiment von Nico (BAM-geprüft). Südafrika sieht keine Sonne.

3.
Gleich die erste Chance für die, Rubenbauer würde sagen, giftigen Mexikaner. Flanke nach innen. Südafrikas Torwart lässt nur abklatschen. Ecke. Die Kulisse verändert sich trotzdem nicht. Netzer schaltet sich im Splitscreen dazu: "Keine Höhen und Tiefen", verschluckt seinen Mikroknopf. Gudde Laune, wie Sven Väth, die Vuvuzela des deutschen Techno, sagen würde.

1. Minute
Anstoß. Die WM hat jetzt tatsächlich begonnen. Gerd Gottlob versucht die ersten dreißig Sekunden gegen die Vuvuzelas anzukommentieren, gibt dann auf und wird selbst zur Vuvuzela. Hört sich an wie sonst nur Steven Gätjen auf tm3. 

16:00 Uhr
Vuvuzelas in den Haaren, Vuvuzelas, die von den Wänden widerhallen, Vuvuzelas auch in Bocks Gesicht. Vuvuzelas einfach überall. “Das ist der Sound dieser WM”, erklärt Gerd Gottlob. Das ist die akustische Wahrheit. Und vielleicht ist das auch genau richtig so. Immerhin hätte auch Bushido mit "Fackeln im Wind" (wir berichteten) zum Sound dieser WM werden können. Doch der Rapper aus Schöneberg ist dabei an seiner eigenen Einstellung gescheitert, und weiß ganz genau, warum es nicht geklappt hat mit ihm und dem Sound der WM: “Ich mach den Sound für den Hof im Knast. Ich mach den Sound, den Sound für die Dealer im Park.” Damit wäre alles geklärt. Fackeln im Vuvuzela-Sturm.

15:59 Uhr
Wir schalten kurz auf Sky. Dort erklärt die Lichtgestalt: "Es war eine sehr farbenfrohe Eröffnungsfeier. Sehr afrikanisch, weil – die WM ist ja auch in Afrika." Ach so.

15:58 Uhr
Die Hymnen, meine Damen und Herren. Mexikos in Dur. Martialischer Sound, nicht unähnlich Rammstein auf Klassik. Wir stehen stramm und schmeißen beliebte spanische Wörter (arriba, abajao, vamos, a, la und playa) in den Raum. Die Südafrikanische eher im Highlander-Sound gehalten. Wo sind die Reiter, die Haare, der Sonnenuntergang und vor allem: Wo ist eigentlich Christopher Lambert?

15:55 Uhr
Der Schiedsrichter kommt aus Usbekistan. Es ist der allseits beliebte und bekannte Ravshan Irmatov. Seine Referenz für die WM-Teilnahme: Ein Vuvuzela-Tattoo auf dem Schulterblatt.

15:51 Uhr
Sepp Blatter sieht aus wie eine hölzerne Marionette an siebzehn Seilen. Fabuliert was von "Träumen", "Geist", sagt "Danke". Der Puppenspieler (Gerhard Delling) gibt sich alle Mühe, die (Mund)-Bewegungen flüssig aussehen zu lassen. Dummerweise fällt Blatters Gesicht zwischen dem dritten Komma und vierten Verb auseinander. Sein Mund spricht noch auf dem Rasen weiter: "Träume", "Geist", "Danke", "Fifa", "Fifa", "Money mäks se wörld go raund", "Fifa", "Willkommen bei der Botscha-EM der Frauen". 

15:48 Uhr
Die Mannschaften betreten den Rasen. Der Vuvuzela-Chor spielt nun ein E-Dur. Den Anfangsakkord der mexikanischen Nationalhymne. Doch gemach, gemach, der alte graue Mann, Sepp Blatter, muss noch eine Fifa-McDonalds-PR-Rede halten.

15:45 Uhr
Erschöpft von zwei Stunden "Vvvvv" und "wwwwwwwwvvv" und "ffffff" stellen wir den Fernseher auf stumm und lauschen zum Eröffnungsspiel einer bekannten Melodie aus einer CD-Beilage eines »Panflöten für Anfänger« Buches (Herausgeber Bolivianisch-Peruanisches Panflötenorchester "Kommando deutsche Innenstadt"). Jaaaa, aaaaah, guuuut. Nie klang dieses Holzinstrument so warm. 

15:35 Uhr
Während Netzer mittlerweile sein Frühstückskakao aus der Nase läuft, schaltet die ARD auf Franz Beckenbauer, der kurz eine seiner lichgestaltigen Weisheiten heraus posaunt, als wäre er der Vater aller Vuvuzelas: "Der Fan heißt nicht umsonst 12. Mann." Stimmt, aber warum heißt der Kaiser eigentlich immer noch Kaiser? 


15:30 Uhr
Netzer und Delling, denen in ihren Kapstadt-Schneeanzügen langsam warm wird, philosophieren erneut über das Wesen der Vuvuzela. Netzer hat dafür extra das Justus Frantz Gesamtwerk als Hörbuch verschlungen. Sein feinfühliges Fazit: "Da sind keine Höhen und Tiefen drin." Delling nickt. Und weiter: "Fußball lebt doch von den Auf und Abs. Doch hier ändert sich nicht." Delling nickt, wiederholt: "Nichts ändert sich da." Jetzt nickt Netzer. Nichts, sagen dann beide und werden völlig unvermittelt von einem kindlichen Lachanfall geschüttelt. Netzers Augen treten hervor, Delling verschluckt seine Krawatte. Wieder Schwenk auf Netzer, der versucht, Haltung zu wahren. Dabei aber nur aussieht wie ein Dingsda-Kind, das krampfhaft nicht lachen will und gerade deshalb nicht aufhören kann. Dellings Blick sagt: Upps. Immerhin: Delling und Netzer haben jetzt schon mehr Höhen und Tiefen als der Vuvuzela-Teppich. Wie schön, wenn ein Ehepaar auch nach zwölf Jahren Ehe zusammen noch so fröhlich sein kann.

15:20 Uhr
Sami Khedira schickt jetzt noch Grüße nach Berlin-Schöneberg, direkt ins Herz der Finsternis, wo der Mond an düsteren Tagen ins Ghetto kracht, verwickelt den ZDF-Mann (Vanilla Ice) in einen Freestyle-Battle auf den Beat des Bushido-WM-Songs "Fackeln im Wind". Da Khedira aber wie Bushido auch Halbtunesier ist, schlägt er sein Gegenüber, das nur noch wirkt wie Dendemann nach seinem merkwürdigen Hipster-Relaunch, in drei Punchlines. Danach übernehmen wieder Netzer und Delling, die so tun wollen, als wären sie Toni L. und Torch aber doch nur das Bühnenpotenzial vom Rapper "Der Wolf" besitzen. [tick]

15:15 Uhr
Wir sehen die südafrikanische Elf tanzend den Rasen betreten. Angsteinflößend sieht anders aus. Doch dann nähert sich im Hintergrund Matthew Booth, der Hüne aus Norwegen oder Schweden oder Skandinavien-City. Ein Mann so groß wie ein Zehnersprungturm minus acht Meter. Den Mexikaner, bei den Piotr Trochowski sogar als König der Lüfte durchgehen würde, schlottern die Knie. Melden sich prompt von der WM ab. Und informieren sich über Hahnenkampfalternativen in Laos.

15:09 Uhr
Liebe Damen, Herren, Jungs, Mädchen, sehr geehrte Schlitzrüssler, geschätzte Hunde und sonstiger Anhang. Die Aufregung steigt. Sami Khedira wird aus dem deutschen Quartier zugeschaltet, referiert über "schnelles Spiel" und "gute Mischung". Das klingt großartig. So großartig, dass 11FREUNDE-Mann Lucas Vogelsang prompt in ein Neuköllner Wettbüro rennt und 27.456 Euro auf den Titel und zusätzlich ein paar hundert Scheine auf diverse Hahnenkämpfe in Laos setzt. [tick]

15:05 Uhr
Nach 20 Minuten vor dem Redaktions-Kaffeeautomaten ohne Kaffee folgende Meldung auf dem bis dato stets geflissentlich ignoriertem Display entdeckt: "Allgemeine Störung". Danach fließt eiskalte Coca Cola aus den Drüsen. Pünktlich zur WM: Knietief im Fifa-Kommerz.

14:45 Uhr
Mit einem überdimensionalen Flaggenmemory beschließen die Tänzer und Trommler, Häuptlinge und Mistkäfer, Rapper und Federäffchen den Eröffnungstanz des Weltturniers. Es war bunt und überbordend, dazu summte ein monströser Bienenschwarm die monotone Hymne dieser WM, deren Text wir hier jetzt exklusiv abdrucken: Vffffffffwvvvvvvvvvvvvvffvvvvvvvvfvffv usw. bis in die Ewigkeit, ein Soundtrack, der sich in den kollektiven Gehörgang der Menscheit legen wird. Wir suchen uns deshalb jetzt einen dieser überdimensionalen Q-Tips der American Gladiators, um wieder Platz zu schaffen. Etwa für die Analysen von Netzer, Delling, Klinsmann, Jauch, Sammer, Beckenbauer und all den anderen Touristen mit Mikrofonen, die uns in den kommenden Wochen begleiten werden. Denn: Es ist angepfiffen: Vffvvfffffffffffffffffffffffffffvvvvvvvvvvvfffffffff! Schön.

14:40 Uhr
Auf der Tribüne tanzt Erzbischof Desmond Tutu in gelber Fantracht und mit dem wahrscheinlich schönsten Hüftschwung aller Friedensnobelpreisträger. Das ist die unangenheme Wahrheit, Mr. Gore. 

14:35 Uhr
Schließlich gibt es für die Zuschauer aus den USA auch noch ein wenig Super Bowl Halbzeitshow mit R. Kelly, der urplötzlich aus dem Boden entspringt und ein wirres Medley aus "Satisfy Me" und "World's Greatest" in einem Hurricane-Kostüm in den südafrikanischen Himmel schickt. Dieses Programm ist für Zuschauerinnen über 16 Jahren nicht geeignet.

14:32 Uhr
Nun tanzen weiße Blumenmädchen einen wirren Volkstanz, eine Choreographie wie sie sich eigentlich nur Mel Gibson zusammen mit André Heller hätte ausdenken können: Als würden sie ins Stadion getrieben, füllen immer mehr Fantasiekarnevalisten die Tanzfläche, die zunehmend an die Anfänge der Loveparade erinnert, als die Drogen noch rein, die Raver noch echt und Dr. Motte einfach nur Matthias Roeingh war. Liest man die Feierlichkeit eurythmisch wird dann auch der passende Subtext sichtbar: One World one Future, Music is the Key und auch ein bisschen Hyper Hyper. Und am besten alles zusammen. 

14:29 Uhr
Wirklich populär sind überdimensionierte Brillen, die ein bisschen an die Modelle "Flava Flav 1990" (Public Enemy) oder "Felix Magath 1985" erinnern. Einige behaupten, es handele sich bei den Brillengestellen um alte Knochen von Zulu-Häuptlingen. Andere halten das für ein Gerücht und sind zu »Alle meine Entchen« in der Vuvuzela-Version längst auf dem Sofa eingeschlafen. 

14:25 Uhr
Wirklich durchschaut haben wir die Eröffnungsfeier noch nicht. Dumm auch, dass es keinen Programmplan gibt. Wir konstatieren: Viele Menschen, viele Farben, alle zwei Sekunden wechseln Musiker an Mikrofonen, dazu Federn, Ballons, Kreisel. Gleich vermutlich noch fliegende Äffchen in Feuerringen.[tick]

14:20 Uhr
"Wer ist eigentlich der Andere?", fragt Vogelsang und meint den Co-Kommentatoren von Gerd Gottlob. Stille. Tick, tick, tick. Tock. "Nennen wir ihn den Anderen." [tick]

14:15 Uhr
Die Eröffgnungsfeier beginnt, wie man sich so eine Eröffnungsfeier in Südafrika vorstellt: Es ist bunt, die Farblehre explodiert in einem grün-gelb-rot-blauen Konfettiregen aus Lokalkolorit und afrikanischer Tradition. Die Propeller-Kamera fliegt über trommelnde Tänzer und tanzende Trommler. Das Ganze wirkt wie die Karl May Festspiele im Irrsinns-Maßstab von 4:1. Gigantische Häuptlinge, ein gigantischer Fußball und dann trottet auch noch ein gigantischer Mistkäfer in den Innenraum, der sofort das macht, was gigantische Pillendreher eben so machen: Er dreht die Riesenpille von Adidas. Wann kommen die Starship Troopers?[tick]

14:11 Uhr
Nun wird ein riesiger Countdown auf der wahrscheinlich größten Leinwand außerhalb der IMAX-Familie eingeblendet. In wirren, runden Comic-Zahlen, als würde Carl Barks Donald Duck in einem Boxkampf gegen Gustav Gans anzählen. Also: 10,9,8,7,6,5,4,3,2,1. Und dann ist die Welt zurück zu Hause, Südafrika begrüßt die Weltmeisterschaft mit 50.000 Trompeten der Apokalypse, einem Vuvuzela-Elefantenorchester, das eine Geräuschkulisse erzeugt, als würde Dellings riesiger Kürbis von einem Bienenschwarm ausgehöhlt. Willkommen also zur FIFA WM 2010. Und ja, es darf getanzt werden.

14:10 Uhr
Gerhard Delling und Günter Netzer – live aus “dem Riesenkürbis” wie Delling das Stadion liebevoll nennt – gleiten augenblicklich ab in ein Referat über den Kürbis an sich:

“Der Kürbis gehört zu den ältesten Kultur- und Nutzpflanzen und blickt auf eine 8000 Jahre alte Geschichte zurück. Bei den Chinesen wird er auch „Kaiser des Gartens“ genannt und gilt dort als Symbol für Gesundheit, sowie Fruchtbarkeit und soll die Potenz steigern.Wie viele andere Nahrungsmittel, stammt auch der Kürbis von den Ureinwohnern Amerikas. Kolumbus entdeckte ihn bei den Indianern und brachte Samen mit nach Europa”, sagt er mit einem perfekt einstudierten Peter-Lustig-Erklärblick.

Und fügt dann noch kindlich lächelnd hinzu: “Der Kürbis ist mein Lieblingsgemüse”, wird aber von Günter Netzer harsch unterbrochen. Denn: “Botanisch gesehen ist der Kürbis kein Gemüse, sondern wird den Beerenfrüchten zugeordnet”, wie Netzer, Hobby-Biologe und Gelegenheitsmarktfrau weiß. Ein Opening wie Halloween im Juni. Also: Süßes, sonst gibt's Saures!

14:07 Uhr
Nun kreisen Flugzeuge über das Soccer-City-Stadion in Johannesburg. Günter Netzer zuckt zusammen. »Ich bin schreckhaft«, giggelt er seinem Sidesidekick Delling zu. Dieser, verwirrt, giggelt zurück und fällt zurück in seine E-A-Schwäche: "Also, Herr Natzer." Dann verstecken sich beide unter dem Moderationtisch und spielen Top-Ass-Quartett "Kampfflieger". Sticht!

14:04 Uhr
Ein wohliges Gefühl der Vertrautheit: Die beiden Fußball-Connaisseure Gerhard Delling und Günter Netzer sonoren sich zu Wort. Und dann auch Gerd Gottlob, der sich hinter einer Soundwand aus Vuvuzelas – the artists formerly known as Wespenschwarm – anhört wie ein kleiner Junge, der mit einem Schnur-Dose-Telefon Kontakt nach Shanghai aufnehmen will. 

13:57 Uhr
Ach, wie schön, es geht los. Die erste Botscha-EM der Frauen, live auf dem DSF. Wenngleich einige behaupten, es sei die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Südafrika. Etwa der Absender dieser Mail, die uns heute erreichte: "Sehr geehrte Damen und Herren, wir möchten Sie auf ein kommendes Großereignis aufmerksam machen: Die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren!" Okay, da machen wir auch mit. Egal was kommt: Dreibeinige Fasane oder jonglierende Elefanten, Helmut Kohl oder Gunter Gabriel – Andreas Bock und Lucas Vogelsang erspähen jeden.  

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