Vor dem Saisonstart in Spanien

Wie deutsche Drittligisten

Atletico ist für viele in Spanien nicht minder Topfavorit als die üblichen Anwärter Real und Barcelona. Trainer Diego Simeone wird weiterhin die Gegner mit seinem bloßen Blick auffressen und sollte das nicht genügen, kann er auf eine eingespielte Mannschaft vertrauen, die taktisch wohl die Beste ist, die diese Welt zu bieten hat. Atleticos Konstanz steht im Kontrast zur Sprunghaftigkeit der beiden Hauptrivalen.

Auch in Barcelona steht eine kleinere Zeitenwende an. Nach Xavi ist auch die Ära von Andres Iniesta vorbei, der nun mit Lukas Podolski in Japan kickt. Barcelonas Mittelfeld, einst das Epizentrum des weltweiten Kurzpassmekkas, wird in Zukunft robuster, ja brachialer werden. Arturo Vidal, dem der Sinn nach feinen Pässen so sehr steht wie Reiner Calmund nach einer Diät, wurde fürs Mittelfeld geholt und wenn die Wünsche der Bosse sich noch erfüllen, wird Paul Pogba in den kommenden Tagen folgen.

Die hellste Sonne im Planetensystem

Einzig der Brasilianer Arthur und sein Landsmann Philippe Coutinho verspüren noch etwas von Iniestas Leichtigkeit. So wird das Meiste wieder an Lionel Messi hängen, der nach Ronaldos Abgang die mit Abstand hellste Sonne im Planetensystem der Primera Division darstellt. Fast ein Jahrzehnt lang waren es die Fans gewohnt, dem epischen Schlagabtausch dieser zwei Kometen beizuwohnen.

In Ronaldos Rolle als Markenbotschafter und ewiger Widersacher Messis soll Griezmann schlüpfen. Traditionell spielen Real, Atletico und Barcelona die Meisterschaft unter sich aus. Der letzte Meister aus einer anderen Stadt war 2004 der FC Valencia. Dem Traditionsklub wird am ehesten zugetraut, in die Phalanx der Großen drei einzubrechen. Stürmer Michy Batshuayi und Russlands WM-Star Denis Cheryshev sollen dabei helfen.

Wie Drittligisten in Deutschland

Betis Sevilla könnte noch überraschen oder Athletic Bilbao, wo die 80 Millionen Euro für Torhüter Kepa das Festgeldkonto mehren. Zum ersten Mal dabei ist SD Huesca, ein Klub aus den Bergen Aragons, dessen Stadion kaum mehr als 8000 Zuschauer fasst. Zum Auftakt tritt Huesca bei Eibar an, wo gerade Mal 6000 Leute in die Arena passen. Die meisten Drittligisten in Deutschland haben ein größeres Fassungsvermögen.

Das Huesca oder Eibar demnächst in Amerika für Spanien werben dürfen, erscheint eher unrealistisch.