Vor dem Saisonstart in Spanien

Abschied vom Zwei-Sonnen-System

Nach dem Ende der Ära Cristiano Ronaldo beginnt in Spanien eine neue Zeitrechnung. Das gilt nicht nur für das ewige Duell mit Lionel Messi, sondern auch für die dritte Liga in Deutschland.

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Einen Tag vor Saisonbeginn war es Javier Tebas vorbehalten, die Neuigkeit in die Welt zu tragen. Der Präsident des spanischen Ligaverbandes verkündete, dass die Primera Division ab sofort nicht mehr nur eine nationale Angelegenheit ist. Spaniens Fußball packt die Reiselust, mindestens ein Spiel pro Jahr soll in den USA ausgetragen werden, im besten Fall mit Beteiligung von Real Madrid oder dem FC Barcelona.

Das ist das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen der Liga und dem Konzern Relevent, die für die kommenden 15 Jahre gilt. »Wenn die NFL oder die NBA Spiele außerhalb ihres Landes austragen kann, warum soll die Primera Division das nicht auch machen?«, sagte Tebas in einem offiziellen Statement. Die großen nordamerikanischen Sportligen halten seit Jahren zu Promotionszwecken reguläre Saisonspiele in Europa oder Asien ab.

Der Beginn einer neuen Zeitrechnung

Spaniens Primera Divison zieht nun nach, ohne das feststeht, um welches Spiel es sich in dieser Saison konkret handelt. Bisher haben die großen europäischen Fußballligen eher unbedeutende Spiele wie die um den Supercup im Ausland ausgespielt. Die konstante Austragung eines Saisonspiels in der Fremde ist neu, wie so vieles, wenn die Primera Division am heutigen Freitag mit dem Spiel FC Girona gegen Real Valladolid in ihre 88. Auflage startet.

Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Jahr eins nach Cristiano Ronaldo. Kokettiert hatte der Portugiese des öfteren mit seinem Abschied, im Juli machte er seine Drohung tatsächlich wahr und spurtete über die Alpen zu Juventus Turin. Die unglaublichen 450 Tore, die Ronaldo seit 2009 in 438 Pflichtspielen erzielte, wird Real mit Sicherheit vermissen.

Meisterschaft und der vierte aufeinanderfolgende Titelgewinn in der Champions League scheinen so weit entfernt wie Sergio Ramos von einer Saison ohne Foul. Vielleicht stand Real in diesem Jahrtausend noch nie vor einer derart ungewissen Saison. Es ist ja nicht nur Ronaldo, der fehlt. Auch Zinedine Zidane wird nicht mehr dabei sein, der Trainer hatte kurz nach dem dritten Gewinn der Champions League infolge adios gesagt.