Vor dem Risikospiel Osnabrück gegen Dresden

Wie kann man Hooligans verhindern?

Mittlerweile hat J. seine Tickets doch noch erhalten. Sein Präsident kümmerte sich persönlich um die Angelegenheit, in einer Vielzahl ähnlicher Fälle seien ebenfalls die Wogen geglättet worden. »Wir bemühen uns, die Einzelfälle auch einzeln zu betrachten. Viele Fans, die uns davon überzeugen konnten, dass sie erstens VfL-Anhänger sind und zweitens die Tickets zum Eigenbedarf verwenden werden, haben trotz ihres Geburtsortes auch Karten erhalten«, sagt Kröger.

Die PLZ-Regel bleibt schwammig. Zumal auch der VfL-Präsident nicht ausschließt, dass besonders findige Dynamo-Fans über Bekannte aus anderen PLZ-Regionen an Tickets gelangen. Wie kann man verhindern, dass ein Fan aus Dresden, ob nun gewaltbereit oder nicht, seinen Freund aus Hannover nach Osnabrück schickt, um dort eine Karte aus dem freien Verkauf zu ergattern? Gar nicht.

»Wir müssen Fans auf den Schlips treten«

Der große Verlierer dieser Situation ist das Spiel an sich. Das klingt kitschig, aber es ist nun mal Fakt. »Normalen« Fans – ob aus Osnabrück oder Dresden – wird der Erwerb einer Eintrittskarte erschwert und im schlimmsten Fall aufgrund der Herkunft verweigert. Das ist in der Tat diskriminierend. Die Vereine müssen einen zusätzlichen erheblichen Aufwand im Vorfeld eines solchen Spiels betreiben und dabei in Kauf nehmen »in Einzelfällen Fans auf den Schlips zu treten«, wie es VfL-Präsident Kröger formuliert und hinzufügt: »Aber das müssen wir zum Wohle der Sicherheit in Kauf nehmen.« Und die Sicherheitsbehörden müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, weiterhin sehr unkreativ bei der Bekämpfung von gewaltbereiten Zuschauern vorzugehen und lieber den Fußballfan pauschal zu kriminalisieren, anstatt die Wurzel des Übels zu finden, zu packen und auszureißen.

Schuld an dem ganzen Dilemma, das muss man auch mal so deutlich sagen, sind die Idioten, die die große Bühne solcher Spiele nutzen, um ein paar Wagenladungen Testosteron loszuwerden. Die einen Aufstieg in die 2. Liga 2011 doch tatsächlich damit feierten, indem sie den Auswärtsblock eines klammen Absteigers zerlegten. Die nicht als Fußballfans kommen, sondern als randalierender Mob, der sich offenbar daran aufgeilt, statt großartiger Stimmung Angst und Schrecken zu verbreiten. Und bevor die Vorwürfe laut werden, wieder einmal Fans von Dynamo Dresden unter Generalverdacht zu nehmen: die Schuldigen sind auch in jedem anderen PLZ-Bereich zu finden. Nicht nur bei den Nullern.