Vor dem Clasico: Barca und die Abhängigkeit von Xavi

638 Spiele für Barca – Xavi, die lebende Legende

Es ist längst nicht mehr so, dass Xavi jedes Spiel bestreitet. Auch deshalb ist er noch immer so gut. Sein Körper verlangt inzwischen nach Pausen, in Spielen gegen vermeintlich leichte Gegner bleibt er meist draußen. Vor allem im Winter ist das häufiger zu beobachten. Auch in Spanien kann es mitunter recht kühl werden, ist der Boden gefroren oder trocken, spielen andere. Thiago Alcantara etwa, der Sohn des brasilianischen Weltmeisters Mazinho, der irgendwann einmal Xavis Erbe als Barças Spielgestalter übernehmen soll. Wenn er nicht wie aktuell verletzt ist, darf er auf den Plätzen ran, die Gift wären für Xavi und dessen Achillessehnen. 


Was macht er im Urlaub? Geht bolzen mit alten Freunden

Vor zwei Jahren, nach der WM in Südafrika, konnte sich Xavi kaum noch bewegen vor Schmerzen. Beide Achillessehen waren chronisch entzündet, eine Folge der vielen Spiele. Barças Spitzenkräfte kommen pro Saison auf 60 bis 70 Einsätze. »Ich stand auf dem Feld, aber Spaß hatte ich dabei nicht mehr«, sagte Xavi später über diese Zeit. Wenn das einer sagt, der selbst seinen Urlaub damit verbringt, mit alten Freunden am Strand oder auf dem Bolzplatz Fußball zu spielen, muss es höllisch weh getan haben. Barcelonas damaliger Trainer Josep Guardiola reduzierte Xavis Einsätze drastisch, auch sein Nachfolger Tito Vilanova hält sich daran. 


Zuletzt musste Xavi aber wieder häufiger spielen, Barça hat aktuell einige Verletzte zu beklagen. Negativ ausgewirkt hat sich das bisher nicht, Xavi glänzt im Mittelfeld mit seinen präzisen Pässen wie eh und je. Auf ihm ruhen beim Clasico die Hoffungen der Cules, Barcelonas Fans. Xavi ist längst so etwas wie der Mister FC Barcelona. 638 Mal stand er bisher wettbewerbsübergreifend für die Katalanen auf dem Feld – häufiger als jeder andere vor ihm. Auch seine 20 gewonnenen Titel, darunter 3 Champions-League-Siege und sechs Meisterschaften sind Klubrekord. Xavi ist schon jetzt eine Legende. 


Nur mit den Toren ging der Meister des genauen Zuspiels sparsam um. Seine Treffer hob sich Xavi meist für die wichtigen Momente auf. Vor zwei Jahren, beim legendären 5:0 gegen Real Madrid traf er etwa. Oder im vergangenen Dezember, als er im Bernabeu das 2:1 gegen den großen Rivalen erzielte. Barça siegte am Ende 3:1. 


»Bei Spielen gegen Real Madrid ist das Stadion so voll, da ist Platz für nichts. Man fühlt, dass die Leute nervös sind und die Spieler sind es auch. Nervosität ist das stärkste Gefühl, wenn du gegen Real Madrid spielst«, hat Xavi in einer Dokumentation anlässlich seines 550. Spiels für den FC Barcelona gesagt. Seitdem stand er fast schon wieder hundert Mal für die Katalanen auf dem Platz. Ein Ende der Ära, die vor 14 Jahren ohne Gel und Stachelfrisur begann, ist derzeit nicht abzusehen.