Vor acht Jahren: Möller wechselt nach Schalke

Als Heintje das Tabu brach

»Heulsuse«, »Heintje« - die Namen der Schalke-Fans für Andy Möller waren nicht schmeichelhaft. Auch beim BVB war der Spieler im Jahr 2000 kein Publikumsliebling mehr. Aber der 26. Mai toppte alle: Möller wechselte nach Schalke. Vor acht Jahren: Möller wechselt nach SchalkeImago Die Saison 1999/2000 begann für den BVB gar nicht so schlecht. Die Mannschaft von Michael Skibbe spielte im oberen Tabellendrittel mit. Im Mittelfeld schmiss Andy Möller noch dann und wann den Turbo an. Ob er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag in Dormtund verlängern würde, ließ der Nationalspieler aber offen. Wenn es um seine Zukunft ging, äußerte er sich schwammig, deutete sogar an, er könne sich vorstellen, auf eine Position in der Defensive zu wechseln, eine Art modernen Libero zu spielen.

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Die Saison wurde turbulent: Nach dem ersten Spiel der Rückrunde, einer Niederlage gegen den 1.FC Kaiserlautern, entließen die Borussen den Trainer Michael Skibbe, obwohl der Verein auf Platz Sechs stand. Bernd Krauss übernahm für Skibbe und führte die Borussia zielsicher in den Abstiegskampf. Den Klassenerhalt sicherte erst das Trainergespann Sammer/Lattek. Am vorletzten Spieltag gastierte Schalke im Westfalenstadion. Das Spiel endete 1:1, Möller bot eine indiskutable Leistung. Eine Woche später führte er den BVB zu einem Auswärtssieg in Berlin - es sollte sein letztes Spiel für die Borussia sein.

Möller und Sammer - das passte nicht


In Dortmund entschied man sich für Matthias Sammer als neuen Cheftrainer. Noch zu ihrer aktiven Zeit beim BVB waren der oft phlegmatische Möller und der explosive Sammer einige Male auf dem Platz aneinandergeraten. Sammer war es, der Möller zu Höchstleistungen trieb. Und ausgerechnet der sollte jetzt sein Trainer werden?

Es wurde immer wahrscheinlicher, dass Möller den BVB verlassen würde. Wohin? Vielleicht nach Frankfurt, zu seiner alten Liebe. Andy Möller war trotz seiner vielen Erfolge - zweimal deutscher Meister, einmal Pokalsieger, Champions League-Sieger, Weltpokalsieger, UEFA-Cup-Gewinner, Welt- und Europameister - kein Publikumsliebling. Ein Wechsel zu Eintracht Frankfurt war also wahrscheinlich.

Doch am 26. Mai platzte die Bombe: Andy Möller unterschreibt beim FC Schalke 04! Für Fans beider Vereine ein Schock. Kaum ein Dortmunder zog in den vergangenen Jahren so sehr den Schalker Hass auf sich wie Möller. Und in Dortmund fiel der Hesse jetzt erst recht in Ungnade. Klar, viele waren froh, ihn los zu sein - aber nach Schalke? Nein.

Doch Möller zog die Sache durch. Bei den Königsblauen sah er sich mit Anfeindungen konfrontiert. Doch er biss sich durch und überzeugte den Anhang durch Leistung. Möller war es gewohnt, Titel zu gewinnen - und das gelang ihm auch mit Schalke. Gleich in seiner ersten Saison führte er die Schalker fast zur Meisterschaft, vier Minuten fehlten zum Titel. Im gleichen Jahr gewann der FC Schalke den DFB-Pokal - der erste nationale Titel seit 1972. Im Jahr darauf wiederholten die Schalker den Pokalsieg.

In seinem dritten und letzten Jahr kam Möller unter Trainer Frank Neubarth nicht mehr so oft zum Einsatz. Jetzt wechselte er doch noch einmal zu seiner alten Liebe Eintracht Frankfurt und ließ dort eine Saison lang seine Karriere ausklingen.

Der Wechsel zum FC Schalke 04 dürfte die mutigste Entscheidung in der Karriere des Andreas Möller gewesen sein. Das »Weichei« setzte sich durch und verschaffte sich den Respekt der Fans.