Vor 85 Jahren: Uruguay gewinnt die erste WM

Vor dem Endspiel werden Waffen eingesammelt

Das Finale von Montevideo trugen schließlich Turnierfavorit Argentinien und Uruguay aus. Die Gastgeber hatten im Halbfinale Jugoslawien mit 6:1 ausgeschaltet, das dritte Tor der Urus soll gar ein am Spielfeldrand stehender Polizist vorbereitet haben. 

Den Endspieltag verwandelte die Bevölkerung Montevideos in einen Feiertag – schon um 8 Uhr öffneten die Betreiber das monumentale Centenario-Stadion wegen des massiven Andrangs. Dabei wurde die Partie erst sechs Stunden später angepfiffen.

1600 Revolver eingesammelt – vor dem Finale

Fast hätte sich der Anstoß noch weiter verzögert, denn Schiedsrichter Jan Langenus aus Belgien hatte aus Angst vor Krawallen die Veranstalter beauftragt, die Zuschauer auf Schusswaffen zu untersuchen. Stolze Bilanz der Sicherheitskräfte: 1600 Revolver.



Eine mittelschwere Katastrophe hatten derweil die argentinischen Fans zu beklagen. Zu Tausenden saßen sie wegen des dichten Nebels auf dem Rio de la Plata fest, das Spiel musste sich der Anhang schließlich per Radioübertragung anhören. 

Fast hätten die auf den Booten festsitzenden Argentinier vor lauter Jubel die Wasserfahrzeuge sogar versenkt – Superstar Guillermo Stabile (später mit acht Treffern zum ersten WM-Torschützenkönig der Geschichte gekürt) hatte nach 37 Minuten zum 2:1 getroffen, nachdem Uruguays Dorado und der Argentinier Peucelle zuvor die ersten Treffer erzielt hatten.

Deutsche Reporter glänzen mit rassistischer Pseudo-Lyrik

Dann bewies Uruguays Spielmacher Jose Andrade seine Spielkunst. Ihm dichteten Historiker später an, er hätte bei diesem Turnier die Fluggrätsche erfunden. Unter seiner Leitung drehte der Gastgeber das Spiel, Uruguays José Nazzi durfte als erster Fußballer überhaupt den goldenen WM-Pokal präsentieren und die heimische Presse jubilierte: »Selbst bis in das Innerste der Erde wurde verkündet, dass Uruguay den Titel gewonnen hat!«



Und die deutsche Presse? Glänzte neben Abwesenheit mit rassistischer Pseudo-Lyrik. »Bei den Läufern«, schrieb ein gewisser F. Richter in der Zeitschrift »Fußball«, »vertrat ein waschechter Neger namens Andrade die exotische Note mit Couleur. Der lange Andrade fällt durch sein bevorzugtes Kopfballspiel auf. Die Neger scheinen Schädel wie Kokosnüsse zu haben.« Es sollte das letzte Mal sein, dass deutsche Journalisten bei einer Fußball-Weltmeisterschaft fehlten. Fantasie-Berichte sind seither eher selten geworden.

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