Vor 85 Jahren: Uruguay gewinnt die erste WM

In 14 Tagen um die Welt

Vier Monate Anreise, fette Jugoslawen, überforderte Brasilianer: heute vor 85 Jahren endete die erste Weltmeisterschaft.

Die erste Fußball-Weltmeisterschaft

»Man kann mit Bestimmtheit voraussagen«, schreibt die Berliner »Fußball-Woche« im Juli 1930, »dass es vor annähernd 100.000 vor Spannung und Anteilnahme zerspringenden Zuschauern einen der üblichen, völlig ausgeglichenen Kämpfe zwischen Uruguay und Argentinien gegeben hat, der entweder 1:0 oder 2:1 für die eine Partei oder gar unentschieden ausgegangen ist.« Ein Fantasie-Bericht, denn das erste WM-Finale der Fußball-Geschichte war da längst gespielt. Wie auch der Rest der deutschen Sportpresse war die »FuWo« zu Hause geblieben. Und verpasste damit den 4:2-Erfolg des Gastgebers aus Uruguay. Heute vor exakt 85 Jahren in Montevideo.

Vier Monate Anreise auf See? Die Deutschen sagen lieber ab

Was konnte man den deutschen Journalisten schon vorwerfen? Lang und beschwerlich wäre die Seereise nach Südamerika geworden, selbst die deutsche Mannschaft hatte die Einladung von FIFA-Präsident Jules Rimet ausgeschlagen. Offiziell, um den Amateurgedanken nicht durch die Teilnahme an einem Turnier zu gefährden, das von Profi-Spielern nur so durchsetzt gewesen wäre. Inoffiziell dürften Trainer, Spieler und Funktionäre allerdings von der viermonatigen Weltreise abgeschreckt worden sein. Zu viel Aufwand für ein – nach europäischem Maßstab – ohnehin uninteressantes Turnier.

Und die Deutschen waren wahrlich nicht die einzige Mannschaft, die Besseres zu tun hatte, als auf einem Dampfer über die Weltmeere zu schippern. Von den 41 Mitgliedsstaaten hatten sich nur neun zurückgemeldet – die erste Weltmeisterschaft drohte in einem peinlichen Fiasko zu enden. FIFA-Präsident Rimet machte sich auf und trat als Bittsteller bei den Fußball-Nationen auf die Matte: Ohne Erfolg.

Einige Nationen forderten Antrittsgelder in Höhe von 60.000 D-Mark – eine Ohrfeige für die Uruguayer, die zwei Jahre zuvor noch für die Hälfte des Geldes zu den Olympischen Spielen nach Amsterdam gereist waren. Dass die Niederlande, deren trübes olympischen Fußballturnier eben von Uruguay aufgehübscht worden war, ebenfalls nicht der Einladung zur WM gefolgt waren, half auch nicht gerade die Laune der uruguayischen Organisatoren zu verbessern.

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