Vor 30 Jahren: Götz und Schlegel kommen in den Westen

Die geplante Entführung

Doch der Neuanfang war nicht unbeschwert. Der ebenfalls frisch aus der DDR geflohene Jörg Berger ermahnte seine Landsleute, sich mit kritischen Interview zurückzuhalten um die Stasi nicht unnötig zu provozieren. Falko Götz legte auch deshalb Wert darauf, als »sportlicher Flüchtling«, und nicht als »politischer Flüchtling« bezeichnet zu werden. Für die SED war es mittlerweile peinlich, dass unter den Abtrünnigen zum wiederholten Male Kicker des politischen Vorzeigeklubs BFC Dynamo waren. In den Fußballstadien der DDR erklang in dieser Zeit der spöttische Ruf von den Rängen »Willst du in den Westen türmen, musst du für Dynamo stürmen.« Die DDR ließ nichts unversucht und schickte einen Vertreter in die Bundesrepublik, um die Geflüchteten zurückzuholen. Im Gepäck: Ein Brief der Mutter von Falko Götz. Vergeblich.

Der Traum von der Bundesliga

Nach diesem unerwarteten Kontakt wurden die beiden von ihrem zukünftigen Arbeitgeber Bayer 04 Leverkusen, der sie in einem Hotel untergebracht hatte und nun rund um die Uhr bewachen ließ, vor weiteren Kontaktversuchen erfolgreich abgeschirmt. Nach einjähriger Sperre starteten die von verschiedenen Bundesligavereinen umworbenen DDR-Fußballer ihre Karriere bei Bayer 04 Leverkusen. Beide erfüllten sich nun ihren Traum vom Bundesligafußball, die erste Saison sogar noch gemeinsam. Schlegel wechselte 1985 zum VfB Stuttgart, wo er am Ende der Spielzeit das DFB-Pokalfinale erreicht.

Götz legte mit dem Werksklub eine noch erfolgreichere Karriere hin. In 115 Spielen zwischen 1984 und 1988 schoss er 26 Tore und krönte diese Zeit 1988 mit dem Gewinn des UEFA-Cups. Allerdings musste er nach der Wiedervereinigung erfahren, wie eng sich trotz allem die Schlinge der Sicherheitsorgane auch um ihn und seine Familie gelegt hatte. Joachim Gauck, damals zuständig für die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen machte ihn persönlich Anfang der 1990er Jahre auf seine umfangreiche Opfer-Akte aufmerksam. Den Papierbergen konnte Götz unter anderem entnehmen, wie selbst langjährige persönliche Freunde der Eltern gezielt auf die Familie angesetzt worden waren. Auch fanden sich detaillierte Fotos seiner Lebensumstände im Westen sowie Zeichnungen, die auf eine geplante Entführung hindeuten.

Falko Götz ließ die Akte für die Öffentlichkeit sperren – ein Versuch, dieses Kapitel seines Lebens für immer zu beenden.