Vom Profi zum Packesel: Das Tourtagebuch von Marius Ebbers Teil 3

Die Mauer muss weg!

Da Marius Ebbers das Leben als Profi a.D. zu langweilig ist, geht er nun als Aushilfsroadie mit der Band Montreal auf Tour. An seinem dritten Tag lernt Ebbers das Organisationstalent der Band kennen, um wenig später vor einer unüberwindbaren Hürde zu stehen.

Montreal

18.12.13 Hamburg Grünspan mit Madsen
Nach kurzer Regenerierungsphase startet heute die heiße Phase der Tour: vier Konzerte am Stück. Eine harte Belastungsprobe für Mensch, Maschine und Immunsystem. Englische Woche auf Punrock-Art.

In Momenten wie diesen ist deswegen Weitsicht gefragt. Um selbst beim letzten Konzert noch Energie und andere Nebensächlichkeiten (Stimme, Orientierungssinn, Gedächtnis) zu haben, wurde vor versammelter Mannschaft verantwortungsvoll die Losung für den weiteren Abend ausgegeben: heute Halbgas, Kräfte schonen, früh ins Bett.

Der Versuchsaufbau des Abends ließ mich allerdings stutzig werden, ob und wie wir diesen kühnen Plan in die Wirklichkeit umsetzen würden können: Madsen hatte Montreal eingeladen, sie beim Konzert im Hamburger Club »Grünspan« direkt auf dem Kiez zu unterstützen. Ich hatte Madsen vorher nicht wirklich auf dem Schirm, bin aber sehr positiv überrascht, wie viele Lieder ich doch von denen kenne und wie unfassbar es bei denen abgeht. Sehr beeindruckend! Club und Backstage sind sehr klein, alles etwas stressig hier wegen Platzmangel. Daher mussten wir die Instrumente heute draußen hinter dem Club aus- und wieder einpacken. Ende Dezember in Hamburg eher so halbgeil. Ich denke, es war meinem beherzten und schnellen Eingreifen zu verdanken, dass wir in Rekordzeit alles im Bus hatten und sich bei dieser Kälte keiner den Tod geholt hat. (Okay, auch die vier Helfer des Club hatten entscheidenden Anteil)

Schon mittags hatte mich Hirsch wegen eines Pennplatzes angehauen. Wenig später kam unabhängig davon auch die Anfrage von Yonas. Klar, dass auch Max kurze Zeit später folgte. Für mich war es wieder mal schön zu sehen, wie organisiert es nach zehn Jahr Tour bei Montreal mittlerweile zugeht. Es ist natürlich selbstverständlich, dass die Bettenbelegung sich ab jetzt quasi minütlich änderte.

Bifi-Rolls als letzte Rettung


Nach dem Konzert zogen alle zu Fuß zu Madsens Hotel, um »kurz noch ein Feierabendgetränk an der Hotelbar nehmen«. Aber ich war mittlerweile sensibilisiert genug, um sofort die hungrigen Augen in der großen Runde zu erkennen. Ich konnte nicht anders, kurzerhand erstand ich den kompletten Hotel-Bestand an Bifi-Rolls. Fortan erfüllten große Freude und gierige Fressgeräusche die noblen Hallen. Schön, wenn man Menschen so einfach glücklich machen kann.

Nach circa 17 wirklich letzten »allerletzten Abschiedsgetränken, weil morgen ist ja auch noch Konzert« konnten Montreal und Madsen sich doch endlich voneinander loseisen. Yonas hatte sich kurzerhand bei Madsen Gitarrist Mücke im Zimmer eingezeckt, Max war Last Minute doch noch bei seinem Bruder gelandet, also blieb nur Hirsch als Gast für meine Couch. Wie passend, wollte ich ihm ohnehin noch mal kurz ein paar Lieder vorspielen. Ist ja schnell erledigt.

Als wir das nächste Mal auf die Uhr schauten, war es 5 Uhr. Mit der Gewissheit, dass es mit dem Halbgas wieder einmal super funktioniert hatte, gingen wir schnell schlafen. In fünf Stunden würde es ja schon weiter nach Bochum gehen. Da werden wir dann aber mal ruhiger machen. Es sind ja schließlich noch drei weitere Konzerte zu spielen.

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