Vom Profi zum Packesel: Das Tourtagebuch von Marius Ebbers Teil 2

Getränkebrüder for life

Beim Brötchen kaufen besiegeln Hirsch und ich unsere Getränkebrüderschaft: kein Bier, lieber Mischen und viel wichtiger: Kakao! Beim leckeren Frühstück mit Bärchenwurst im Hause Powers lerne ich dann das No-Go auf einer jeden Montreal-Tour kennen: Bockwurst. Allein das Wort lässt die ganze Runde zusammenzücken, die Begründung liefert die Band sofort. Die Herren wollten einst zu einem Metallica-Konzert nach London und hatten dafür Flüge ab Bremen organisiert. Bei einer kurzen Pause an der Tanke in Sichtweite des Bremer  Flughafens, wurden zum feierlichen Anlass genüsslich ein paar Bockwürste verspeist. Das wiederum zog sich dermaßen hin, dass der Flieger verpasst wurde. Und weil die Band ein bisschen bescheuert ist, kauften sie sich spontan neue Flüge ab Hamburg. Das Ganze belastete am Ende die Bandkasse nachhaltig so sehr, dass man der Band mit dem Wort Bockwürste kalten Schweiß auf die Stirn treiben kann. 

Memo an mich selbst: Zu Weihnachten Bockwürste an Hirsch, Yonas und Max verschicken (Besser ohne Senf, damit können die wohl nicht so gut umgehen...)
   
Nach dem Frühstück geht das Leben als Aushilfsroadie in die Vollen: Wir machen Mittagsschlaf. Aber dann wird es wieder Ernst. Im quasi *hüstel* grundgereinigten Bus geht es rüber zum Bi Nuu am Schlesichen Tor, wo auch gleich die Kräfteverhältnisse im Backstageraum ausgelotet werden. Hier treffe ich auch zum ersten Mal auf die Band »Das Pack«, Hamburger Freunde von Montreal. Ich werde freundlich aufgenommen, besonders Sänger Pensen hat einiges zu erzählen. Das ist allerdings so viel, dass ich den Aufbau verpasse. Pünktlich zum Soundcheck bin ich allerdings am Start, um die Jungs moralisch zu unterstützen. Danach entwickeln sich packenden Duelle auf der bandeigenen Mini-Tischtennisplatte. Merchfrau Lisa hat offenbar noch eine Rechnung mit mir offen und bringt mich ans äußerste meiner Leistungsfähigkeit. Am Ende geht sie als klarer moralischer Sieger von der Platte, auch wenn ich mit Punkten leicht vorne lag. Im Finale biete ich mir ein episches Match mit Hirsch, das in die Miniplatten-Tischtennisgeschichte eingehen wird. Ich verliere knapp in drei Sätzen, wurde aber vermutlich betrogen. Die Sache ist längst vor dem Sportgericht.

Plötzlich ein Schock: Die Getränke sind alle!

Als um 20 Uhr »Das Pack« seine Mischung aus Comedy-Show und Musik auf die Bühne bringt, ist mein Job eigentlich getan. Ich kann entspannen, aber weit gefehlt. Die Mischung aus trinkfreudigen Freunden und überfülltem Backstagebereich treibt Montreal an die Belastungsgrenze: Kurz vor dem Auftritt sind die Getränke alle! Ich erkenne sofort, dass meine Zeit gekommen ist, setze den Sprint zum nächsten Späti an und sorge für Nachschub. Mit lautem Applaus werde ich von den Dreien empfangen. Das Konzert kann losgehen. Ich muss allerdings kurz vor der Zugabe los. Habe in Hamburg ein Pokalspiel. Und muss mir ein paar Senfflecken aus den Klamotten waschen. Ich verabschiede mich und freue mich auf Donnerstag. Montreal in Bochum. Vielleicht bringen ich Bockwürste mit.