Vom DFB-Pokal und seinen Gesetzen

Bis einer weint

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze: eine Floskel, fest verankert im Fußball-Vokabular – bei näherer Betrachtung allerdings nicht mehr als eine Worthülse. Grund genug, diese angeblichen Gesetze zu hinterfragen. Vom DFB-Pokal und seinen GesetzenImago Natürlich sind auch Pokalspiele den üblichen 17 Fußballregeln unterworfen, so dass der ständige Rückgriff auf die angeblichen Gesetze eigentlich nichts anderes als ein Euphemismus für gewisse Mythen ist, die eine Liga nicht bieten kann. Doch was macht den Pokal so speziell? Eine Mythensammlung:

Mythos #1: Berlin, Berlin... wir fahren nach Berlin!

Eine weise Entscheidung, die der DFB einst traf, als er das Pokalendspiel dauerhaft nach Berlin verlegte. Eigentlich nur gedacht, um der spitzenfußballarmen Mauerstadt ein jährliches Schmankerl zu bieten, etablierte sich das Finale als absoluter Festtag und beschert Berlin alle Jahre wieder eine mehrtägige Fußballparty.

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Mythos #2: Die direkte Entscheidung

Sein wohl wichtigstes Merkmal bezieht der Pokal aus der Tatsache, dass es kein Unentschieden gibt. Bei Bedarf wird nachgeholfen und das Spiel verlängert, zur Not wird die Entscheidung vom Punkt gesucht – bis einer weint!

Mythos #3: David gegen Goliath

Weinheim, Vestenbergsgreuth, Geislingen – ohne Fußballinteresse kann man diese Orte nur aus dem Geographie-Nachhilfeunterricht kennen. Mit Fußballinteresse hingegen verbindet man mit diesen Orten große Pokalsensationen; Sensationen, die Amateuren die Hoffnung geben, die sie brauchen, um gestandenen Bundesligisten ein Bein stellen zu können. Klappt zwar nicht oft, schon gar nicht immer öfter, aber manchmal dann doch.

Mythos #4: Der kürzeste Weg in den Europapokal

Europapokalplätze sind begehrt. Versprechen sie doch Prestige, Aufmerksamkeit und vor allem Geld. Dumm nur, dass sich diese Plätze ein Kreis üblicher Verdächtiger aufteilt. Doch zum Glück ist da der Pokal – und bescherte Alemannia Aachen, Union Berlin oder dem MSV Duisburg europäische Nächte.

Mythos #5: Die Auslosung

Ein Highlight ist immer wieder die Auslosung der jeweils nächsten Runde. Immer wieder stilecht darf eine Glücksfee unter den streng wachenden Augen eines grauhaarigen DFB-Offiziellen in den Lostopf greifen. Gern wird die Auslosung von Schaltungen in Vereinsheime daumendrückender Amateurteams begleitet, denen statt der erhofften Bayern darbende Zweitligisten zugelost werden.

Mythos #6: Die Pokalmannschaft

Fest etabliert hat sich die Umschreibung Pokalmannschaft für Teams, denen in der Liga wenig gelingt, die im Pokal aber immer wieder auf sich aufmerksam machen. Dem Werder-Team der frühen 90er wurde eine solche Qualität nachgesagt, als zwischen 1989 und 1994 gleich vier Finalteilnahmen zu verzeichnen waren. Gekrönt wurde diese Bilanz gar noch vom Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1992.