Vollversammlung beim HSV

Dead men still walking

Heute abend steht die Mitgliedervollversammlung des HSV an, bei der eine öffentliche Auspeitschung des Vorstands zu erwarten ist. Die Frage ist nur, wer ebenfalls öffentlich an den Pfahl gestellt wird. Kai Pahl von allesaussersport.de ahnt es. Imago Der Aufsichtsrat, namentlich der Vorsitzende Bandow, hat sich mit Ausnahme von Willi Schulz, öffentlich nicht gegen Trainer Thomas Doll gestellt. Stattdessen hat er seinen eigenen Krisenherd bekommen. Beim Transfer von Vincent Kompany im Sommer kam es zur einer eiligst einberufenen Notsitzung des Aufsichtsrat, da ein derart großer Transfer nicht vom Vorstand alleine durchgezogen werden kann, sondern vom Aufsichtsrat abgenickt werden muss.

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Alleine: zur Notsitzung kamen nur 4 von 12 Mitgliedern - und der Transfer wurde trotzdem durchgewinkt. Es ist nachvollziehbar, dass ein solcher Transfer nicht unbedingt darauf warten kann, dass korrekt zu einer Aufsichtsratssitzung mit Tagesordnung und Lachs-Canapé geladen wird. Aber formaljuristisch ist das ein No-No. Und die Prügel dafür gibt's heute abend. Es könnte daher zu einer Nicht-Entlastung von Teilen des Aufsichtsrat kommen. Die Mannschaft wird heute abend nicht auf der Versammlung sein, sehr wohl aber Thomas Doll. Auf die Reaktionen der Mitglieder bin ich gespannt. 

Eine kleine Episode aus dem Hamburger Abendblatt verdeutlicht das Standing von Thomas Doll in der Stadt: als am Wochenende in der Laeiszhalle (1908 gebaute Musikhalle, überwiegend für Klassikkonzerte genutzt) eine A-Capella-Gruppe bei ihrem Konzert einen Scherz über eine Entlassung von Thomas Doll riss, wurde die Gruppe auf offener Bühne ausgepfiffen und ausgebuht.

Immerhin bekommt Thomas Doll einen Geistesverwandten. Nach der Entlassung von Trainer Andreas Bergmann vor zwei Wochen hat sich der FC St. Pauli nach Informationen des Abendblatts nun entschlossen, mit Manager Holger Stanislawski als Interimstrainer bis Ende der Saison weiterzumachen. Seit Stanislawski trainiert, hat sich der FC St. Pauli spielerisch verbessert. Verschiedene Optionen wurden vom FC St. Pauli ausgelotet, u. a. der Ex-Braunschweiger Michael Krüger und der Stanislawski-Freund Marc Fascher von Kickers Emden. Mit Stanislawski scheint man sich vor allem für die billigste Lösung entschieden zu haben. 

Stanislawski ist nicht minder ein Urgestein als Thomas Doll. Und auch hier könnte es vielleicht irgendwann den bitteren Moment der Entlassung geben, der beim Trainerjob – bis auf wenige Ausnahmen – systemimmanent zu sein scheint.

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Mehr von Kai Pahl gibt es hier: www.allesaussersport.de .