Vier Gründe für den miesen Start von Schalke

Flitterwochen vorbei

Drei Spiele, drei Niederlagen: Schalke steckt in der Krise. Weil sie die Stärken der vergangenen Saison verloren und die Schwächen nicht abgestellt haben. Vier Gründe für den Fehlstart.

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Nicht allen gefiel es, dass der FC Schalke 04 in der vergangenen Saison die Vize-Meisterschaft holte. Matthias Sammer, als Ex-Borusse in Gelsenkirchen ohnehin Persona non Grata, äußerte sich im Podcast »Rasenfunk« recht abfällig über die Schalker Vizemeister-Elf: »Schalke 04 funktioniert nur, weil die Liga schlecht ist.«

Nach drei Spieltagen der neuen Saison sind die Schalker nicht mehr Tabellenzweiter, sondern Vorletzter. Muss man Sammers These etwa umdrehen? Ist die Liga im Sommer so gut geworden, dass Schalke 04 nicht mehr funktioniert? Nicht ganz. Es sind die Schalker selbst, die nicht mehr an die Leistung der vergangenen Saison anknüpfen können. Vier Gründe, warum Schalke nach drei Spieltagen ohne Punkte dasteht.

1. Die Defensive steht nicht mehr sattelfest
Schalke-Spiele waren in der vergangenen Saison selten Vergnügungssteuerpflichtig. Fast nie spielte Schalke den Gegner an die Wand oder ließ sich auf einen offenen Schlagabtausch ein. Sie fokussierten sich ganz auf ihre Defensive. Innerhalb des eigenen 5-3-2-Systems hielten die Spieler die Abstände zueinander perfekt ein. Gerade im Zentrum öffneten sich selten bis nie Lücken. Wollte Trainer Domenico Tedesco, dass seine Mannschaft früher stört, stellte er einfach auf ein 5-2-3 oder auf ein System mit Viererkette um – ohne Qualitätsverlust, versteht sich. Schalke funktionierte gegen den Ball wie eine Maschine.

Diese defensive Perfektion bringt Schalke in dieser Saison nicht auf den Platz. Neuzugänge wie Verteidiger Salif Sane oder Angreifer Mark Uth haben die Vorgaben innerhalb der Schalker Raumdeckung noch nicht verinnerlicht. Gerade im Mittelfeldzentrum steht Schalke wesentlich weniger kompakt als noch in der vergangenen Saison. So ging die Idee, gegen Gladbach in einem höheren 5-2-3 zu pressen, gehörig schief. Schalke verlor 1:2, kassierte dabei bereits im dritten Spiel in Folge zwei Gegentore. Sie haben aktuell ihre größte Stärke verloren.

2. Schalke ist anfällig nach ruhenden Bällen
In der Defensive haben die Schalker eine weitere Tugend verlernt: das Verteidigen von Standards. Während sie in der gesamten vergangenen Saison nur acht Treffer nach ruhenden Bällen kassierten, stehen nach drei Spieltagen bereits drei Gegentore zu Buche. Dabei haben sie mit Sane eigentlich einen weiteren kopfballstarken Innenverteidiger gewonnen im Vergleich zum etwas kleiner gewachsenen Thilo Kehrer. Doch auch bei ruhenden Bällen fehlt den Neuzugängen noch das Gespür für die von Tedesco favorisierte Raumdeckung. Zu oft bleiben Räume unbesetzt, sodass Gegner unbedrängt zum Kopfball kommen.

Zu allem Überfluss sind die eigenen Standards derzeit ungefährlich. Schalke wartet immer noch auf den ersten eigenen Treffer nach ruhendem Ball. Das ist eine herbe Hypothek für ein Team, das in der vergangenen Saison 30 Prozent der eigenen Tore nach Standards erzielt hat. Zählt man Elfmeter in diese Statistik, steigt der Wert auf fast 50 Prozent.