Vier Gründe für den Last-Minute-Sieg vom HSV

Mehr Glück als geglückte Pässe

Der Hamburger SV vermeidet dank eines späten Treffers die Relegation. Wie hat die Mannschaft das geschafft? Die Taktikanalyse.

imago

Es war eigentlich alles angerichtet für Hamburgs dritte Teilnahme an der Relegation in vier Jahren. Hamburg brauchte einen Sieg gegen den VfL Wolfsburg, um noch den 16. Tabellenrang zu verlassen. Doch wer glaubte angesichts zuletzt fünf Spielen ohne Sieg und teils unterirdischen Leistungen noch an die Hamburger? Das Duell Hamburg gegen Braunschweig wurde bereits in den Köpfen der HSV-Fans durchgespielt.

87 Minuten lang lief alles nach »Plan«. Und dann kam Luca Waldschmidt. »Ausgerechnet« Luca Waldschmidt, würde ein Fußball-Kommentator brüllen. Ein Spieler, der vor knapp zwei Monaten noch bei Hamburgs zweiter Mannschaft spielte, rettete den HSV mit seinem ersten Bundesliga-Tor. Wie konnte das passieren?

1. Wolfsburg mit dem richtigen Plan, aber einem Fehler
Eigentlich fing alles gut an für Wolfsburg: Sie hatten die erste halbe Stunde unter Kontrolle, gingen früh durch Robin Knoche in Führung (23.). Andries Jonkers Matchplan zielte ganz darauf ab, Hamburgs lange Bälle zu erobern. Aus diesem Grund stellte er den kopfballstarken Philipp Wollscheid in die Abwehr und mit Jakub Blaszczykowski und Paul-Georges Ntep zwei klassische Flügelflitzer auf Außen.

Die Idee: Wolfsburgs Stürmer gingen früh ins Pressing. Dahinter agierte das Mittelfeld sehr tief. Die Wolfsburger zwangen Hamburg zu langen Bällen, das tiefe Mittelfeld eroberte die zweiten Bälle. Da Hamburg sich im Zentrum eng zusammenzieht, um diese zweiten Bälle zu erobern, sollte der Ball sofort auf die Flügel zu den Außenstürmern gespielt werden. 


Mit diesem Plan neutralisierte Wolfsburg die Hamburger. Die erste halbe Stunde kannte nur einen einzigen Spielzug: Hamburg schlägt den Ball lang, Wolfsburg gewinnt das Kopfballduell, erobert den zweiten Ball und passt auf den Flügel.

Nur in einer Situation ging Hamburgs Spiel auf zweite Bälle auf. Wollscheid hatte kurz vergessen, dass der Ball sofort auf die Flügel gespielt werden sollte, und dribbelte mit dem Ball ins Zentrum. Hamburg attackierte ihn mit drei Mann, eroberte den Ball und schaltete sofort um. Der Ausgleich. So wurde Wolfsburgs guter Defensivplan mit nur einem Fehler ausgehebelt.

2. Wolfsburg konterte zu schwach
Wolfsburg brauchte einige Zeit, um sich von dem Ausgleichstreffer zu erholen. Doch in der zweiten Halbzeit verlief das Spiel wieder nach dem alten Muster: Hamburgs lange Bälle landeten bei Wolfsburg, diese kontrollierten das Spiel mit ihrer defensiven 4-4-2-Formation.

Doch nach vorne brachte auch Wolfsburg wenig zusammen. Oft fehlte es an der Unterstützung für die Außenstürmer, wenn diese bei Kontern den Ball bekamen. Am deutlichsten wurde dies in den Situationen, als Zehner Yunus Malli auf die Flügel auswich. Die Außenstürmer gingen hier in die Mitte, keiner unterstützte Malli. Er musste so lange den Ball halten, bis Hamburg wieder in die eigene 4-2-3-1-Ordnung zurückgekehrt war. Malli brachte nur jeden dritten Pass zum Mitspieler, die gesamte Mannschaft hatte eine schwache Passquote von 57% - schlechtester Wolfsburger Wert der Saison. Wolfsburg gab sich zu lange mit dem 1:1 zufrieden.